Vicious Rumors - Electric Punishment - Cover
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Vicious Rumors Electric Punishment


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Variantenreich, mitreißend, knüppelhart: US-Power Metal wie er sein soll!

Kann man eine Band, die seit jeher so in Rotation war, wie Vicious Rumors, überhaupt noch ernst nehmen? Konnte man das jemals? Fans fragen sich solche Sachen gar nicht mehr. Warum auch? Immerhin hat man sich damit abgefunden, dass die Band ihre Musiker-Posten wechselt, wie normale Menschen ihre Unterwäsche. Immerhin hat die Qualität immer gestimmt, auch wenn die Zeiten, in denen Vicious Rumors noch kurz davor waren, zur absoluten Metal-Legende zu werden, schon längst gezählt sind. Interessanter und erstaunlicher ist heutzutage, wie lange die momentanen Vicious Rumors ihrer Form halten können. Immerhin bleibt einem ja Gitarrist Geoff Thorpe erhalten, der als einziges Gründungsmitglied seiner Band den nötigen Halt geben kann. Umso erstaunlicher, dass die verschiedenen Menschen, die ihn immer wieder begleiteten, dem roten Faden ihrer Vorgänger stets folgen konnten und die Identität bewahrten. Da ist es beinahe egal, dass Vicious Rumors Thorpes Baby ist. Der Charakter bleibt erhalten - Fans freuen sich.

Deshalb ist „Electric Punishment“ tatsächlich (wieder einmal) das Album geworden, welches man von den US-Amerikanern erwartet hat. Und in jener Form ist es ein Werk, das ein weiteres Mal beweist, dass die schlimmen 90er-Jahre voll und ganz überwunden sind. Auch auf „Electric Punishment“ zeigen sich Vicious Rumors wieder in bester Spiellaune und haben einen ganzen Blumenstrauß an fetten Riffs, großen Melodien und Hymnen für ein künftiges Livepublikum dabei. Solch Nummern wie „I Am The Gun“, „Black X List“, „Dime Store Prophet“ oder „Thirst For A Kill“ sind US-Power Metal in Reinkultur und geizen nicht mit Geschwindigkeit, thrashigen Einsprengseln und einem stets vorhandenem Ohrwurmfaktor. In ihrer fast 35 Lenze zählenden Karriere hat man selten ein so krachendes Gewitter abgezogen. Sänger Brian Allen beweist dabei erneut, dass er der ideale Mann für den Sängerposten ist und kann in der elendig langen Liste der Vicious-Rumors-Vokalisten zusammen mit dem 1995 verstorbenen Fan- und Kritikerliebling Carl Albert definitiv einen der oberen Ränge für sich beanspruchen. Der gute Mann weiß einfach, wie er mit seiner Stimme zu arbeiten hat: Screams, Falsett, aber auch tiefe Töne sind kein Problem für ihn und geben dem Genre genau die Nuancen, welche es braucht.

Zweifler brauchen sich dazu nur einmal das wirklich großartige „Escape (From Hell)“ anhören, dessen Stimmung immer wieder verändert wird und welches stets zwischen Ballade und bombastischen Heavy Metal hin- und herwandert. Frontmann Allen zieht hier zudem alle Register seines Könnens. Ruhige Töne, Growls - alles ist da. Und zwar glaubwürdig und so, dass es zu der Instrumentalarbeit seiner Kollegen passen. Weltklasse! Die ganze Band ergänzt sich übrigens ganz prima, auch wenn Geoff Thorpes virtuoses Gitarrenspiel letztendlich doch der Mittelpunkt ist. Immerhin ist es hauptsächlich ihm zu verdanken, dass die Gruppe bestehen konnte und dass man sich nach und nach an der stärksten Schaffensphase orientierte. Die Vorgänger „Warball“ (2006) und „Razorback Killers“ (2011) gingen bereits in die richtige Richtung. „Electric Punishment“ ist schließlich nicht nur die logische Konsequenz, sondern gleichermaßen auch der so oft geforderte Schritt zurück in die 80er-Jahre. Für Freunde der gepflegten US-Power ist „Electric Punishment“ somit ohne Frage ein ganz heißes Eisen! Zudem hat diese LP durchaus das Zeug dazu, nach langer Zeit wieder in die Riege der bandeigenen Klassiker aufgenommen zu werden, wäre aber auch ansonsten das Referenzwerk der Spätphase von Thorpe und seinen Jungs.

Anspieltipps:

  • I Am The Gun
  • Escape
  • Together We Unite
  • Strange Ways

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