Masterplan - Novum Initium - Cover
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Masterplan Novum Initium


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Per Anhalter durch den Power Metal - mal sehen, wie lange das die Fans noch mitmachen...

Wenn Masterplan in ihrer nun zwölf Jahre zählenden Historie etwas falsch gemacht haben, dann dass sie dem Hörer nie das Gefühl geben konnten, eine echte Band zu sein. Das Besetzungskarussell dreht sich munter weiter und es bleibt zu bestreiten, dass es jemals stehen bleiben wird und die Hamburger ein konstantes Line-up hinkriegen. Die Liste an Aus- und Wiedereinstiegen ist lang und wahrscheinlich langweilig zu lesen. Lediglich Jorn Lande ist da explizit zu erwähnen. Der Norweger tingelt fröhlich von Band zu Band, von Projekt zu Projekt und ist nach seinem erneuten Stelldichein auf dem 2010er „Time To Be King“ wieder raus – wahrscheinlich, um sein Solozeug im gefühlten Wochenrhythmus auf die Welt loszulassen und sich endgültig ins Credibility-Off zu bugsieren. So werden Masterplan wie auch ihr Original-Sänger gezwungenermaßen abermals zu rastlosen Wanderern, die Musiker und Sänger per Anhalter mitnehmen.

„Novum Initium“ spuckt mit seiner Bedeutung direkt große Töne, passt aber wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, wenn man bedenkt, dass Masterplan einem ihrer Alben jenen Namen geben. Dieser hätte auch zu so gut wie jedem anderen Output gepasst. Dasselbe gilt auch für „Time To Be A Nomad“, wie Album Numero fünf (EPs nicht mitgezählt) allerdings nicht heißt, aber als Anregung für künftige Longplayer gerne dienen kann. Für Kollege Lande springt Rick Altzi (At Vance, Thunderstone) ein. Dieser ist ein adäquater Ersatz und macht seinen Job wirklich gut. Ob er auch lange an Bord bleiben wird, ist eine ganz andere Geschichte. Auch die anderen Musiker, von denen Roland Grapow (Gitarre, ex-Helloween) und Axel Mackenrott (Keyboard, Live-Aushelfer bei Gamma Ray) die einzigen sind, welche nicht erst seit 2012 dabei sind, lassen sich nicht lumpen und zocken fröhlich drauf los.

Dass auf „Novum Initium“ allerdings lediglich eine Gruppe von Musikern und explizit keine Band spielt, merkt man der Scheibe an. Grapow und Mackenrott halten zusammen, was zusammen gehalten werden kann und lotsen ihre neuen Jungs so gut es geht durch einen Power Metal, der die großen Aha-Momente spätestens seit „MK II“ (2007) mehr und mehr verliert. Dass Masterplan neben Edguy und Mob Rules zu den großen Hoffnungen des Genres gehörten, wird auf „Novum Initium“ zu einer schönen Erinnerung. Kompositionen wie die flotten „The Game“ und „No Escape“ oder das recht knackige „Earth Is Going Down“ führen klanglich teilweise zu dem Frühwerk Masterplans zurück, sind voll mit einprägsamen Melodien und bleiben in den Gehörgängen kleben. Ob dies nun Fanservice sein soll oder Masterplan einfach keine Ahnung haben, wie es mit ihrem Sound weitergehen soll: „Novum Initium“ ist eine professionell eingespielte und produzierte Stagnation auf höchstem Niveau. Es ist bitter, dass die Herren gar keine andere Wahl haben, ihren Wagen mit Karacho in eine Sackgasse zu fahren. Der Fan drückt ein Auge zu und macht es mit - fragt sich nur, wie lange!

Ebenso grast man die anderen Felder ab. Es gibt den Power-Progger („Black Night Of Magic“), das Schmelzkäse-Fondue („Return To Avalon“) sowie den Titeltrack, der uns schon mit seiner Länge weißmachen möchte, dass wir es mit einem Magnum Opus zu tun haben. Am Ende hauen Masterplan gut 50 Minuten neue Musik raus, die wir alle schon mal besser von ihnen gehört haben. „Novum Initium“ ist somit ein nettes Album geworden. Kein großartiges, kein gutes - lediglich ein nettes. Wer noch nie von den Hamburgern hörte, wird wahrscheinlich den Spaß haben, den viele bereits vor einem Jahrzehnt hatten und soll sich diesen an dieser Stelle auch nicht verderben lassen. Wer schon das eine oder andere Album gehört hat, genießt mit Vorsicht. Denn im Gegensatz zu den ebenfalls von Besetzungswechseln geplagten Stratovarius, haben Masterplan noch nicht ihre goldene Mitte gefunden und hinterlassen mehr als je zuvor den bitteren Nachgeschmack eines Projektes. Und auch wenn das Dosenfutter in Form ihres fünften Studioalbums ganz schmackhaft sein kann, ist es nur selten nahrhaft. Schade!

Anspieltipps:

  • The Game
  • No Escape
  • Earth Is Going Down

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