Texas - The Conversation - Cover
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Texas The Conversation


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 37 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Früher war alles besser! Oder nicht? Texas versuchen sich erfolgreich im rückwärtsgewandten Gegenbeweis.

Es gibt einen akuten Mangel an funktionierenden Zeitreisemaschinen! Eine gewaltige Marktlücke, die bisher lediglich ein paar Sektengurus entdeckt haben. Die wollen in aller Regel aber mindestens unsere Seele dafür, uns in die gute alte Zeit zu transformieren. Und das scheint ein bisschen teuer. Irgendwie schön deshalb, dass nun die schottische Gruppe Texas unter dem Namen „The Conversation“ ein Werk veröffentlicht hat, das höchst authentisch das Gefühl vermittelt, wirklich alles hinter sich zu lassen, was die Bezeichnung „gegenwärtig“ verdient.

Der musikalische Dialog, in den die Musiker um Sängerin & Songwriterin Sharleen Spiteri hier mit dem Hörer treten, beschwört mit jedem Ton die erfolgreiche Vergangenheit einer Band, die immerhin gut 30 Millionen Alben verkauft hat. Und tatsächlich: Jene Musik, die in den späten 1980er-Jahren einen Nerv traf, trifft auch heute noch einen. Nur leider den falschen. Denn obwohl der Rezensent noch jener Generation angehört, für die weiße Tennissocken mit großflächigem Firmenaufdruck fast als Statussymbol durchgingen: Heute fühlt er sich eben mit unauffälligem Dunkelgrau an den Füßen deutlich wohler.

Ähnlich wie in Sachen Mode ist heuer auch die musikalische Wahrnehmung: Dieses Album wäre 1988 möglicherweise der letzte Schrei gewesen - heute ist es eher zum Schreien. Und dies sicher nicht vor Glück! Geht der Titelsong mit viel Wohlwollen noch als selbstreferenzielles Nostalgieprodukt durch, lässt einen der Rest dieses Werkes ratlos zurück. Und wirft Fragen auf. Etwa die, weshalb den Bandmitgliedern niemand verraten hat, dass heutzutage maximal Blondie noch wie Blondie klingen darf? Dass hätte nämlich ein tongewordenes Geschmacksverbrechen wie „Detroit City“ verhindern können. Auch der Hinweis, dass ein ohnehin nervtötender Beat nicht besser wird, indem er stumpf einen ganzen Song lang durchgezogen wird, wäre hilfreich gewesen: „If This Isn’t Real“ beweist nämlich eindrücklich, dass Texas diese Information gebraucht hätten! Und dass eine Ballade nicht zwingend so ereignisarm dahinschunkeln muss, dass sich vermutlich selbst dann, wenn der Konsument während des Hörens auf einer Achterbahn durch die Lüfte jagt, unmittelbar das Gefühl tiefster Müdigkeit einstellen würde, hätte ihnen wohl auch jemand erklären sollen. Dann wäre uns „I will Always“ sicher erspart geblieben.

Weil alle Kritik nur konstruktiv wirkt, wenn sie am Ende die Ressourcen zur Veränderung benennt, sei erwähnt, dass „The Conversation“ in sich äußerst geschlossen wirkt. Alles, wirklich alles hier klingt nach verstaubter, rückwärtsgewandter Produktion. Auch textlich ist kein einziger Ausreißer nach oben zu vermerken, der vom bewährten „reim dich oder ich schlag dich“-Schema abweichen würde. Diese Zeitreise taugt so immerhin 37 langweilige Minuten lang verlässlich als Nachweis dafür, dass früher keineswegs alles besser war. Und die Seele des Zuhörers bleibt ganz bestimmt unberührt!

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