Hugh Laurie - Didn´t It Rain - Cover
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Hugh Laurie Didn´t It Rain


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Den Dr. House spielt er nicht mehr, als Musiker nimmt Hugh Laurie dafür aber richtig Fahrt auf.

Das war in der Tat beeindruckend, was Hugh Laurie im April 2011 auf seinem Debütalbum „Let Them Talk“ präsentierte. Zusammen mit der Copper Bottom Band und unterstützt von dem Grammy-prämierten Produzenten Joe Henry (u.a. Solomon Burke, Loudon Wainwright III) nahm der hauptberufliche Schauspieler eine Reihe bekannter Standards aus dem „New Orleans Blues“-Bereich neu auf – alles gekonnt eingespielt, gefühlvoll dargeboten und mit entsprechendem Erfolg belohnt. Angetrieben von den zahlreichen guten Kritiken und nach dem Ende von „Dr. House“ vermutlich mit etwas mehr Platz im Terminkalender ausgestattet, traf sich Hugh Laurie im Januar dieses Jahres erneut mit seinen Begleitmusikern und Joe Henry im Studio. Was dabei herauskam, kann nun, fast auf den Tag zwei Jahre nach dem Erstling, unter dem Titel „Didn’t It Rain“ gekauft, gehört und bestaunt werden.

Los geht es mit einer Überraschung: Die ersten Worte gebühren nicht, wie man es vermuten würde, dem singenden und Klavier spielenden Chef, sondern seiner Begleitung Jean McClain, die mit den Zeilen „I hate to see that evening sun go down / 'Cause my baby, he's gone left this town“ den Gesangspart des Openers „The St. Louis Blues“ eröffnet. Die altehrwürdige Nummer mit dem markanten Tango-Intro stammt ursprünglich von W.C. Handy und ist fast 100 Jahre alt. Auch Champion Jack Duprees „Junkers Blues“ (1940), der zweite Song, den Hugh Laurie auf „Didn’t It Rain“ interpretiert, ist schon etwas älter, dafür aber mit einem ungleich skandalöseren Text versehen: „So it’s goodbye, goodbye to whiskey / So long to gin / Just give me my reefer / I wanna get high again.“ Und wer dachte, Dr. House äh Hugh Laurie hätte zu diesem Zeitpunkt schon alle Asse aufs Piano gehauen, den wird Gaby Morenos spanischer Teil im sanft nach vorne schreitenden Tango „Kiss Of Fire“ erneut aufhorchen lassen. Das klingt alles so sehr nach kleiner Kneipe, wie es in große Konzerthäuser gehört und bleibt damit vor allem eines: sympathisch.

Interessanterweise kommt es auf „Didn’t It Rain“ nicht gerade selten vor, dass Hugh Laurie sich in den Hintergrund zurückzieht und seinen Gästen das Mikrofon überlässt. Im „Vicksburg Blues“ ist mit Taj Mahal der nächste Grammy-Gewinner am Werk, bei „I Hate A Man Like You“, „Send Me To The ‘Lectric Chair“, „The Weed Smoker`s Dream“ und „Didn’t It Rain“ bekommen wieder die Damen den Vortritt. Inwiefern dieses Vorgehen den Erwartungen der Fans entspricht, kann durchaus hinterfragt werden. Immerhin ist Hugh Laurie kein berühmter Instrumentalist, bei dem es schon ausreicht, wenn er an einem Song beteiligt ist. So charmant „Didn’t It Rain“ daherkommt, das eine oder andere Stück im Stil von „Wild Honey“ hätte dem Album vielleicht doch ganz gut getan. Immerhin ist Hugh Lauries Stimme alles andere als ungeeignet, um einen großartigen Song zu tragen, was der musizierende Schauspieler aus Oxford nicht zuletzt mit dem liebevollen Abschlusstrack „Changes“ (im Original von Alan Price) unter Beweis stellt. Beeindruckend bleibt sein zweites Studioalbum trotzdem, und das, obwohl nach dem Debüt schon klar war, dass dieser Mann viele Talente hat.

Anspieltipps:

  • Wild Honey
  • Kiss Of Fire
  • Vicksburg Blues
  • Didn't It Rain
  • Evenin’

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