Noblesse Oblige - Affair Of The Heart - Cover
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Noblesse Oblige Affair Of The Heart


  • Label: Repo Records/ALIVE
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie bitte? Was? Dark-Wave kann modern klingen?

Erst kürzlich bewiesen Daft Punk mit ihrer Single „Get Lucky“, dass sich scheinbar überholte Musikjahrzehnte problemlos ins Jetzt katapultieren lassen. Eine Nische, der genau dieses Kunststück regelmäßig sehr schwer fällt, ist jene, die auch nur im Entferntesten mit Wave in Berührung kommt. Seien es Gothic-Rocker, die das alte Keyboard auspacken oder andere unglückliche Seelen, die stur an überholter Produktion und Instrumenten festhalten. Noblesse Oblige ist eines der wenigen Versprechen aus der Wave-Szene, welches tatsächlich modern und somit vielleicht auch relevant klingt.

„Mata Hari“ eröffnet das Album nicht nur im Stile eines besseren Placebo-Song der langsamen Sorte, sondern rechtfertigt im Alleingang die Hoffnungen der Exposition. Mystische Klänge verbinden sich mit vollen Beats und wabernden Synthesizern, die rund klingen und nicht wie ein gezwungener Anachronismus. Sogar den grenzwertigen Space-Rocker „Runaway“ behält die Band irgendwie im Boot, da der Sound so gekonnt abgemischt ist, dass sich die Effekte der Musik beugen und nicht umgekehrt. Noblesse Oblige spielen keinen Wave-Rock, weil sie sich dazu verpflichtet sehen, sondern weil es sie wollen und können.

Düstere Hymnen, die so auch von Depeche Mode hätten kommen können („Chasing Shadows“), wechseln sich mit treibenden Beat-Rockern ab („Burn“), sodass nicht nur die Produktion, sondern auch die Vielfalt stimmt. Der Höhepunkt dieser Punktlandung ist nicht etwa die überlange Coverversion von „Hotel California“, sondern das „Vagabonde“. Das auf Französisch gesungene Stück vereint das Beste aus Electro, Vogue und Wave in sich und wird zu einer verführerisch düsteren Praline.

Der Depeche Mode-Vergleich mit „Chasing Shadows“ trifft entfernt auch für „The Seventh Wave“ zu, wobei beide Lieder nicht zu den Klassikern, jedoch zum angenehmeren Material der Gruppe gehören. „In The Heat Of The Night“ zündet dabei nicht wie „Burn“ auf Anhieb, ist aber willkommener Zusatz für die adrenalinhaltigen Momente des Albums. „Hotel California“ und „Voices In My Head“ lassen es ein wenig langatmig zum Schluss kommen, was sich als einziger struktureller Schwachpunkt des Albums offenbart.

Dass das Ende trotz der Eigenlänge von einer Viertelstunde stimmungsvoll wirkt, sagt viel über die eingangs erwähnten Stärken der Band und des Albums aus. Noblesse Oblige finden ein sehr gutes Mittelmaß aus Düsternis, vollen und manchmal sogar warmen Beats und genug Pop- und Rockeinschüben, um über die volle Laufzeit zu tragen. Da sieht man gerne über überzogene Hörkost wie „Break Your Heart“ hinweg und genießt ein gelungenes Album in einer sonst sehr aus den Fugen geratenen Musiknische.

Anspieltipps:

  • Burn
  • Hotel California
  • Voices In My Head

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