Ritual Steel - Immortal - Cover
Große Ansicht

Ritual Steel Immortal


  • Label: Killer Metal/H'ART
  • Laufzeit: 70 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
3.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Flirt mit der Vergangenheit funktioniert auch nicht immer.

Metal will never die! Was für eine Phrasendrescherei. Aber mein Gott - sie ist wenigstens wahr. Was der Metaler will, das soll er auch bekommen. Dank zahlloser Subgenres wird eigentlich jeder Wunsch erfüllt. Ritual Steel haben sich zum Beispiel traditionellen, wuchtigen Speed- und Heavy-Metal der goldenen Ära auf die Fahne geschrieben. John Cason (Gesang), Martin Zellmer (Schlagzeug, Percussion) und Sven Boege (Rhythmus-, Lead- und Akustik-Gitarre, Bass) kommen aus Kiel und bringen die Vergangenheit ins Heute. Mit bereits drei Longplayern und etlichen Splits in der Diskographie hat man nie locker gelassen und sein Ding durchgezogen. Das vorliegende „Immortal“ war deshalb auch nur eine Frage der Zeit. Mit 70 Minuten Spielzeit ist es überdurchschnittlich lang und randvoll gepackt. Den Hörer erwartet klassischer Teutonen-Heavy-Metal, der an Acts wie Rage, Running Wild oder frühe Blind Guardian erinnert.

Die gebotene Musik ist erfreulicherweise unkitschig, schnörkellos und zünftig, sodass eher Fans der 80er-Jahre angesprochen werden als Anhänger von pompösen, modernen Power Metal. Songs wie „Judgement Day“, „Satisfy Your Dreams“ oder „Metal Sanctuary“ sind solide Straight-Forward-Rocker mit starker Betonung auf Schmackes-Riffing und leicht hymnenhafte Refrains, ohne dabei aber allzu sehr in Bombast-Gefilde einzudringen. Ansonsten liegt das Hauptaugenmerk auf gutem alten Speed Metal, der in der dargebotenen Präsentation einen Katzensprung vom US-Power entfernt ist. Kein Wunder: Frontmann Cason (Exiled, Z-Iron) ist Amerikaner und schon alleine dank seiner Screams der richtige Mann für den Job. „Get Down To The Underworld“, „The Ritual Law“ aber auch das nicht nur vom Namen her an Helloween erinnernde „Dr. West“ sprechen auf jeden Fall Bände! In eine ganz andere Richtung gehen die beiden Longtracks „Aggressor“ und das Schlusslicht „Welcome To The Metal Dead“, welches mit seiner Spielzeit von fast 25 Minuten deutlich hervorsticht. Tatsächlich ist diese Dauerwurst abwechslungsreich und voller Facetten. Ob ein Aufspalten in mehrere Teile nicht doch besser gewesen wäre, soll an dieser Stelle mal unbeantwortet bleiben. Nur so viel: Ritual Steel zünden hier ein echtes Heavy-Feuerwerk, welches alle vorangegangenen Kompositionen locker überschattet. Den relativ uninspirierten Spoken-Word-Mittelteil kann man da verschmerzen.

Anscheinend gewollt altbacken ist dann die Produktion geworden. Nicht immer ist der Griff zur vermeintlichen 80er-Jahre-Authentizität auch der richtige. Ein Riff-Ungetüm wie „Immortal“ braucht einen saftigen und klaren Sound, klingt dagegen aber arg matschig. Früher hätten Bands ihr letztes Hemd für eine fette Produktion gegeben - heute scheint die Oldschool-Attitüde wohl wichtiger zu sein. Ähnlich verhält es sich mit dem Cover. Es ist für die Art Musik natürlich passend, aber auch in seiner eigenen Liga gibt es qualitative Unterschiede. Keiner hat etwas gegen reitende Skelettritter, Krieger und sogar Raumschiffe. Dass das Artwork aber wie ein Screenshot eines niedrig aufgelösten Grafik-Adventures der 90er Jahre aussieht, ist für die visuellen Regeln des Genres unverzeihlich. Der Markt wimmelt von Künstlern, Grafikern und Fotografen. Der Pool an Artworks, aus dem sich Bands und Interpreten bedienen können, ohne persönliche Vorstellungen (teuer) in Auftrag zu geben, ist dementsprechend groß.

Warum dann so was? Wie gesagt: Klischees sind kein Problem und in gewisser Hinsicht auch ein gewünschtes Stilmittel. Die Präsentation alleine ist für eine professionelle Veröffentlichung dagegen schon richtig peinlich. „Immortal“ peilt in jeglicher Hinsicht definitiv ein spezielles Publikum an. Wer lieber tipptopp und auf Hochglanz polierten Heavy und Power Metal aus dem neuen Jahrtausend sucht, ist bei den drei Herren sowieso schon mal an der falschen Adresse. Aber auch Freunde der traditionellen Klänge, sollten sich das Album vor dem Kauf erst einmal anhören. Besonders wegen der schwachbrüstigen Produktion gibt es erhebliche Abzüge in der B-Note, sodass das Special-Interest-Argument am Ende nur noch zum Teil zieht.

Anspieltipps:

  • Judgement Day
  • Satisfy Your Dreams
  • Welcome To The Metal Dead

Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
4/10

Thunderbolt
  • 2018    
6.5/10

The Book Of Souls: Live Chapter
  • 2017    
Diskutiere über „Ritual Steel“
comments powered by Disqus