Sadako - Panic Transistor - Cover
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Sadako Panic Transistor


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein kurzweilig-nerdiger Industrial-Ritt, der mit großen Melodien um sich wirft.

Wer ist auf die Idee gekommen den Österreichern Sadako das Genre-Trademark Visual Kei aufzudrücken? Lediglich der Bandname und in Ansätzen vielleicht das (eher bescheidene) Cover-Artwork haben japanische Ästhetik. Und bei zweitgenanntem auch nur mit viel Fantasie. Da hört es auch schon auf. Etwas vernerdet kommen die fünf Buben auf den ersten Blick ja doch irgendwie daher, geschminkte Bishōnen sind sie jedoch definitiv nicht. Nein, Sadako sind eigentlich ganz kernige Jungs und genau so spielen sie auch ihre Musik. Durchaus tanz- und headbangbarer Alternative Rock trifft auf modernen, zackigen Metal und Industrial Rock, der mit Samples durchzogen ist und die dritte Langrille der Band zu einem kurzweiligen und spaßigen Arschtritt-Marathon macht. Dieser kommt zwar nicht durchgängig ohne dem ein oder anderen kleinen Schwachpunkt aus, sollte aber bei Freunden des Genres zumindest ordentlich Interesse wecken. Static-X treffen hier auf Ministry sowie den abgefahrene Humor eines Rob Zombie und reihen sich munter in Sadakos Inspirationswarteschlange ein. Eine definitiv zu erahnende Livequalität haben die Österreicher auf jeden Fall und sie geizen nicht mit beinahe schon poppig-eingängigen Melodien, die fröhlich mit hartem Riffing und elektronischen Düster-Geblubber kombiniert werden.

Bei Songs wie dem Opener „The Difference Between You And Me Is I'm Not Bleeding“, und „Save Home For Zombies“ führt das letztendlich dazu, dass diverse Snotcore-Vertreter zwangsläufig Pate gestanden haben. Das sollte nicht unbedingt jedem aus der angepeilten Zielgruppe gefallen, nimmt „Panic Transistor“ aber letztendlich den Ernst und beschert die ein oder andere tolle Hookline, die bei vielen ähnlichen Bands in einem Wulst aus orientierungslosem Songwriting untergeht. Dagegen sind „Damage Done“, „Dude, Where's The Fucking Reset Button?“ oder auch „Happy Networking, Asshole“ reinrassige Industrial-Stampfer, die so auch locker auf einem Album von Pain oder Zombies Rob gepasst hätten und nicht mit schwülen Elektro-Effekten und hämmernden Riffing sparsam umgehen. Überhaupt sind Sadako recht detailverliebt: ein Glockenspiel in der melancholischen Ballade „Commemoration“, in in ein Sample mündendes, angedeutetes Growling in „Yamamba“ oder eine dezente Hülsbeck'sche Chiptune-Hintergrunduntermalung im modernen Rocker „A Requiem For Lost Souls“ beweisen, dass die Band sich durchaus Gedanken gemacht hat und bei der üppigen Anzahl von 13 Kompositionen, von der gerade mal eine an fünf Minuten kratzt, dem Hörer etwas bieten wollen. Das funktioniert trotz der vielen Ideen aber nicht immer zu 100% – einiges, wenn auch wenig, hört sich recht ähnlich an und kann deshalb auch nur mit Müh und Not kaschiert werden. Da sind „Monster Eat Pilot“ oder „Apes Pigs And Black Holes“ Filler, welche durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, aber im Vergleich zum Rest recht beliebig klingen und den zweifelsohne vorhandenen Höhepunkten auf „Panic Transistor“ ein wenig das Scheinwerferlicht ausknipsen.

Stichwort Höhepunkte: „Even If You're Stuffed With Gold You Can't Deny You're Full Of Shit“ ist anders als der sperrig-kauzige Titel verspricht, der vielleicht eingängigste Song auf „Panic Transistor“. Der großartige gesangliche Gastbeitrag von Angela Mitterhofer (Frontfrau von Spektakel) ist tatsächlich Gold wert und passt in der Nummer, welche sich irgendwo zwischen Bombast-Goth, Pop-Hymne und enormer Radiotauglichkeit hin- und herbewegt, wie die Faust auf's sprichwörtliche Auge. Klasse! Sadako demonstrieren hier eindrucksvoll und stellvertretend für ein Gros des eingespielten Materials, dass Industrial Rocker nicht immer die NIN-Düsternis oder sphärische Experimentierlaune der Tschechen Minority Sound anpeilen müssen, um interessant zu sein. „Panic Transistor“ lebt von seinen Melodien und versprüht jede Menge gute Laune. Nicht mehr und nicht weniger. Ob die Band damit wirklich auch die breite Masse ansprechen kann, bleibt dennoch zu bezweifeln. Genreliebhaber, die ein locker aus dem Ärmel geschütteltes Album nicht ablehnen, finden allerdings durch die Bank gute Unterhaltung, die auch nicht von dem einen oder anderen Lückenfüller geschmälert werden kann.

Anspieltipps:

  • Yamamba
  • Commemoration
  • A Requiem For Lost Souls
  • Even If You're Stuffed With Gold You Can't Deny You're Full Of Shit

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