Fir Bolg - Towards Ancestral Lands - Cover
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Fir Bolg Towards Ancestral Lands


  • Label: Schwarzdorn Production
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer auf süßliche Kelten-Melodiechen steht, ist hier definitiv an der falschen Adresse.

Die Fir Bolg, auch Firbolg oder Érainn, waren die mythischen Ureinwohner Irlands, welche der Sage nach die grüne Insel direkt nach der Sintflut erobert haben sollen. Für einen folkig angehauchten Black Metal sind das nicht die schlechtesten Voraussetzungen, wenn es um eine Namensfindung geht. Das muss sich auch Dagoth gedacht haben, der neben dem Schaffen seiner Hauptband Assacrentis kurzerhand sein Ein-Mann-Projekt nach dem sagenumwobenen Geschlecht benennt. Der eigentlich von der Côte d’Azur stammende Sänger und Multi-Instrumentalist ist geographisch ein Stückchen von Irland entfernt, doch das hindert ihn natürlich nicht, sich an der Folklore munter zu bedienen und seinen zügigen Black Metal damit zu würzen. Und da die französische Extreme-Metal-Szene ordentlich boomt und einige Acts hat, die in der jüngere Vergangenheit künstlerisch aufhorchen ließen (106225-Alcest, Dagoba oder Hacride), trifft Dagoth den Nerv und ist sicherlich eine Bereicherung für seine Heimat.

Das nach der in Eigenregie entstandenen EP mit dem recht banalen (aber treffenden) Namen „Paganism“, folgt nun der professionell produzierte Erstling. „Towards Ancestral Lands“ ist ein für das Genre überraschend sauber abgemischtes Album geworden, welches allen Ersteindrücken (z.B das Cover-Artwork) zum Trotz beweist, dass wir es nicht mit einem üblichen Underground-Machwerk zu tun haben. Schön, dass Black Metal auch mal druckvoll und klar produziert ist – das ist nicht unbedingt die Regel und hebt alleine deshalb schon Fir Bolg angenehm von ähnlichen Produkten ab. Die insgesamt neun Kompositionen auf „Towards Ancestral Lands“ profitieren davon. Dagoth präsentiert seine Musik knackig und hart, abwechslungsreich und interessant.

Traditioneller Metal wird beispielsweise überraschend organisch mit Doubelbass-Geballer kombiniert („King Of Wallachia“, „Final Battle On The Frozen Lake“) und verzichtet auf die generische Monotonie. Ebenso beweist man mit kleinen Ausflügen in rohe Viking-Metal-Nummern wie „Strong Old Megaliths“, dass auch hymnenhaftes Material einen Platz auf dem Debütalbum finden darf. Der erste Gedanke von einem extrem folkig angehauchten Black Metal, wird dagegen interessanterweise nur selten und extrem pointiert erfüllt. Die Einflüsse sollen solche bleiben und verhindern die Einordnung in den Folk Metal. Lediglich „Banshees“ und die ganz am Ende platzierten „Mag Tuired“ und „Dun Aengus“ bedienen sich an den Klängen des Irish Folk oder der keltischen Folklore.

Fir Bolg erinnern dann stark an die Russen Butterfly Temple und an die aus Dublin stammenden Cruachan und Primordial – allerdings an deren noch ungeschliffene Frühwerke. Damit wird „Towards Ancestral Lands“ zu einem Album, welches wohl eher den Fans von rauem Black Metal Spaß machen sollte. Auch wenn so ziemlich alles an und um Fir Bolg herum nach Violinen, Dudelsäcken und Flöten schreit, bleibt das Album für den Folk Metaler mehr oder weniger eine Mogelpackung. Wer sich dagegen damit arrangieren kann, dass Folk-Passagen auch zaghaft eingesetzt werden können und nicht zwangsläufig immer die Dominanz auf einem solchen Werk ergreifen müssen, findet in Fir Bolg einen durchaus interessanten Genre-Beitrag. Auch wenn noch etwas Luft nach oben ist, kann sich Dagoths Soloprojekt sehen lassen und muss sich vor allem was die wirklich gute Produktion betrifft, nicht hinter ähnlichen Bands oder Musikern verstecken.

Anspieltipps:

  • Banshees
  • Strong Old Megalith
  • Mag Tuired
  • Dun Aengus

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