Vidunder - Vidunder - Cover
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Vidunder Vidunder


  • Label: Crusher Records
  • Laufzeit: 34 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Vidunder klingen auf ihrem selbstbetitelten Debüt so alt wie die Musik, die sie machen.

Dreißig Jahre ist Marty McFly im Film „Zurück in die Zukunft“ mit dem DeLorean in die Vergangenheit zurückgereist. Dreißig Jahre - eine lange Zeit, möchte man meinen. Doch darüber können Martin Prim, Linus Larsson und Jens Rasmussen von Vidunder nur müde schmunzeln. Was sind schon dreißig Jahre, wenn es um Bluesrock geht, dachte sich das Trio vermutlich und verortete den Kern ihres Debütalbums noch ein wenig tiefer in der Musikgeschichte. Mittlerweile befinden wir uns irgendwo in der ersten Hälfte der 70er-Jahre: Black Sabbath haben gerade den Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens erreicht, Deep Purple sind in den Top Ten der Charts angekommen, Led Zeppelin setzen zu ihren letzten Großtaten an. Und die drei Kollegen von Vidunder? Die sind zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht einmal geboren worden. Umso verwirrender ist es, dass die besagten drei jungen Männer nun, vier Jahrzehnte später, ein Album vorlegen, das sowohl optisch als auch klanglich perfekt in diese Zeit passt.

„Vidunder“ besitzt damit - zugegebenermaßen - einen gewissen Charme. Von der Tapete auf den Pressefotos über die Frisuren der Akteure bis hin zum Cover ist alles so retro, wie es nur sein kann. Sogar der Punkt, an dem die Schallplatte gewendet werden muss, ist in der Tracklist markiert. Und erst die Musik: Old School ins Quadrat. Vidunder selbst sehen sich in der Tradition von Blue Cheer und Captain Beyond - eine Einordnung, die man so unterschreiben kann. Und ein paar passable Songs haben sie auch in petto. Ein paar, wohlgemerkt. „Summoning The Not Living“ ist eine dieser Nummern, die Lust auf mehr machen und die Erwartung rechtfertigen, gerade einem vielversprechenden Debüt zu lauschen. Dieses Gefühl bleibt auch noch für die nächsten ein, zwei Titel erhalten, vielleicht sogar bis zu den zwei schwedisch eingesungenen Kreationen in der Mitte des Albums, aber spätestens danach macht sich eine Erkenntnis breit: Vidunder lassen auf ihrem ersten Longplayer verdammt viele Möglichkeiten liegen.

Wo Genrekollegen wie Wolfmother oder Graveyard es verstehen, aus ihren geschichtsträchtigen Inspirationsquellen etwas Neues zu schaffen, das spannend ist und einen unverkennbaren Eigenwert besitzt, bleiben Vidunder gewissermaßen auf einem Fleck stehen. An und für sich beinhaltet ihr gesamter Erstling nur die Reproduktion einer einzigen Idee von einem guten Rocksong, ergänzt um Kleinigkeiten. Hier ein kurzes Zwischenspiel, da ein Gitarrensolo von Gastmusiker John Hoyles, danach vielleicht noch etwas Orgelsound - mehr Variationen gibt es nicht. Und dabei stehen Vidunder mit Blick auf ihre musikalische Einordnung doch eigentlich alle Türen offen! Wo sind die Experimente? Wo ist etwas mehr Mut zum Ungewissen? Dass der Sound im Endeffekt so klingt, als wäre das Album tatsächlich vor einer ganzen Weile in irgendeiner Garage aufgenommen worden, verzeiht man den drei Schweden mit Blick auf ihr Vintage-Vorhaben. Dass ihre Songs insgesamt allerdings recht eintönig und zum Teil sogar gefährlich uninspiriert („Fire“) daherkommen, ist dagegen nicht zu verleugnen. Schade.

Anspieltipps:

  • Your Ghost
  • Summoning The Not Living
  • Threefold
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