Sparrow And The Workshop - Murderopolis - Cover
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Sparrow And The Workshop Murderopolis


  • Label: Song By Toad/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Vielschichtiger Indie-Pop, der sich nicht festnageln lässt. Originell und spannend.

Sparrow And The Workshop wurden 2008 im schottischen Glasgow gegründet. Ihre frühen Demos fielen Vic Galloway in die Hände, der sie in der Sendung ‚BBC Introducing Scotland` spielte, worauf Distiller Records 2009 eine Single und eine EP veröffentlichte und 2010 das Debütalbum „Crystals Fall“ sowie dessen Nachfolger „Spitting Daggers“ im Jahr 2011. Beide Alben erzielten bei den Medien gute Kritiken. Die Band arbeitet in Triobesetzung mit Gregor Donaldson (Drums, Vocals), Nick Packer (Guitar, Bass) und der Frontfrau Jill O’Sullivan, die Akustikgitarre spielt und singt. Für den Aufnahmeprozess ihres nagelneuen Albums „Murderopolis“ gewannen sie keinen geringeren als Paul Savage, der bereits mit Franz Ferdinand, Mogwai und Teenage Fanclub zusammengearbeitet hat.

Dementsprechend professionell klingen die elf Songs, die etwas näher an ihren heftigen Live-Sound heranreichen. Vergleiche mit The Breeders, The White Stripes und Jefferson Airplane sind in gewisser Hinsicht nachvollziehbar, jedoch untergeordneter Natur. Viel zu eigen klingen Sparrow And The Workshop, was bereits der Opener „Valley Of Death“ verdeutlicht. Auf einem beweglichen Rhythmusfundament erhebt sich die Stimme von Jill O’Sullivan wie ein Adler zum Flug, flankiert von atmosphärisch vibrierenden Gitarren. Danach zieht einen „Darkness“ in ein - nun ja, finsteres Loch mit mörderischen Basstönen, denen die Erhabenheit von O’Sullivans Stimme und alarmierende E-Gitarrensounds entgegengesetzt werden.

Wiederholt arbeitet das Trio mit konträren Mitteln, zeichnet lyrische Passagen, die von donnernden Rhythmen und der immens ausdrucksstarken Stimme polarisiert werden. Dabei erzeugen sie musikalische Spannungsfelder, die den Zuhörer immer bei der Stange halten. Harte Rocksequenzen werden von poetischen Klangbildern abgelöst, dennoch klingt das Ganze organisch, wie ineinander verflochten, wobei sie keine Knoten fabrizieren, sondern eine Dynamik erzeugen, die manchmal tatsächlich an Jefferson Airplane erinnert. Dennoch zelebrieren sie keinen Westcoast-Rock, dazu brodelt ihr Klangbild zu sehr im britischen Dunkel, obwohl ihnen das Düstere fern ist. Was ihre Vielschichtigkeit betrifft, ist auch ein Vergleich mit dem kürzlich erschienenen Album „Honestly This World“ von The Moth & The Mirror - mit denen sie immerhin ihre schottische Herkunft gemein haben - nicht von der Hand zu weisen.

Manchmal verführen bestimmte Stücke - wie z.B. der Titelsong - sie ins Art-Rock-Genre zu verfrachten, doch dafür verlaufen die Songstrukturen dann doch wieder viel zu linear. Oder „The Faster You Spin“, das sie mit mehrstimmig-melodiösem Refrain vor dem Prog-Rock retten und das Trio eher nach Talking Heads zu Zeiten von „Fear Of Music“ klingen lässt. Womit wir bei der New Wave Ära wären, die auch in Sparrow And The Workshop weiterlebt. Ein Titel wie „Flower Bombs“ hätte ohne O’Sullivans Stimme und den melodiösen Refrain auch Bands wie Joy Divison, Interpol oder den Editors zu Ehren gereicht. In dieser Band steckt so einiges, gerade die vielen, aber vagen Assoziationen stellen ihre Originalität heraus. Eine spannende Angelegenheit!

Anspieltipps:

  • Valley Of Death
  • Shock Shock
  • The Faster You Spin
  • Flower Bombs
  • Autumn To Winter

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