Beady Eye - BE - Cover
Große Ansicht

Beady Eye BE


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Liam Gallagher hat verkündet, seine Gesangskarriere zu beenden, wenn „BE“ ein Reinfall wird. Diese Aussage könnte seine Fans in eine unangenehme Lage bringen.

Liam „Gefahr“ Gallagher, einer der besten und gleichzeitig irresten Sänger der vergangenen zwei Jahrzehnte, ist aktuell wieder ein besonders gefragter Gesprächspartner. Immerhin veröffentlicht seine Band, das Oasis-Destillat Beady Eye, dieser Tage unter dem schlichten Titel „BE“ ihr zweites Studioalbum. So direkt wie Liam ist, hat er im Vorfeld auch gleich klargestellt, wie die Sache wirklich aussieht: Floppt die Platte, weiß er nicht genau, ob er danach noch weiterhin bei Beady Eye tätig sein wird. Das wäre Noel Gallaghers Chance, sich mit seinem Bruder zu versöhnen, zumal Liam erst vor Kurzem eine Reunion zum 20-jährigen Jubiläum von „Definitely Maybe“ (2014) oder „(What’s The Story) Morning Glory?“ (2015) ins Gespräch gebracht hat.

Doch bevor es soweit ist, steht nun erst mal „BE“ im Raum, der Nachfolger des größtenteils ordentlichen, aber im Endeffekt steigerungsfähigen Beady Eye-Debüts „ Still Speeding“. Auch wenn diese Platte nicht die ganz große Kunst war, so wirkt sie zumindest im Vergleich zu „BE“ rückblickend vor allem eines: besser, deutlich besser! Außergewöhnliche Nummern wie „The Roller“ und „Four Letter Word“, die auf keinem Oasis-Werk negativ aufgefallen wären, gibt es auf der neuen Platte nicht mehr. Die um Bläser bereicherten, unkonventionell arrangierten „Flick Of The Finger“ und „Second Bite Of The Apple“ sind neben dem zurückgezogenen „Soul Love” die einzigen wirklich hörenswerten Titel auf dem gesamten Output. Sie erhalten ihre Sonderstellung, weil sie aus einem Haufen durchschnittlicher Songs herausscheinen, von denen zu befürchten ist, dass sie es zu besseren Zeiten nur knapp auf eine B-Seite geschafft hätten. Das klingt hart, ist aber die Wahrheit.

Nun könnte man argumentieren, dass „BE“ wenigstens nicht so ein Schnellschuss geworden ist wie „Different Gear, Still Speeding“. Das ist natürlich korrekt und produktionstechnisch auch hörbar, vor allem anhand der Samples von Produzent Dave Sitek (u.a. Yeah Yeah Yeahs). Trotzdem sind die Songs an sich dadurch nicht besser geworden. Wo das stürmische „Face The Crowd“ noch mit einem müden Lächeln und der üblichen Oasis-Nostalgie durchgewinkt werden kann, wird es vor allem in der zweiten Hälfte von „BE“ zum Teil beängstigend belanglos. Vor allem das unnötig in die Länge gezogene „Don‘t Brother Me“ („Give peace a chance, take my hand, be a man“) sowie das abschließende „Start Anew“ sind sinnbildlich für den Abschwung im zweiten Teil. Wer schon beim Debüt kein Fan von Stücken wie „Wigwam“ und „The Morning Son“ war, der sollte „BE“ vielleicht doch besser nach der ersten Hälfte ausschalten.

Richtig hart verschossene Liebhaber der Band werden natürlich auch diesen Songs noch etwas Positives abgewinnen – und das ist auch gut. Tracks wie „I’m Just Saying“ und „Shine A Light“ sind ja nicht per se schlecht, sondern lediglich gemessen an dem, was mal möglich war. Im Endeffekt sind Beady Eye damit nur ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, sich aus dem Schatten einer weltberühmten Band zu lösen und dafür Anerkennung zu finden. Was diese Herren wirklich brauchen, ist kein drittes, kein viertes und auch kein fünftes Album, sondern ein Treffen mit ihrem Häuptling Noel.

Anspieltipps:

  • Flick Of The Finger
  • Soul Love
  • Second Bite Of The Apple

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5/10

Simulation Theory
  • 2018    
9/10

Electric Ladyland (50th Anniversary Edition)
  • 2018    
Diskutiere über „Beady Eye“
comments powered by Disqus