Children Of Bodom - Halo Of Blood - Cover
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Children Of Bodom Halo Of Blood


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht nur der längst überfällige Nachfolger von „Hatebreeder“ und „Follow The Reaper“, sondern auch ein fetziger Rundumschlag.

Es gibt Bands, die seit Dekaden immer das gleiche machen und damit Erfolg haben. Dann gibt es solche, die damit den Unmut der Fans auf sich ziehen. Andere hingegen variieren ihren Sound und probieren immer etwas Neues. Manchmal haut das hin, manchmal nicht. Die aus dem finnischen Espoo stammenden Children Of Bodom sind all dies und gleichzeitig gar nichts davon. Seit ihrer Gründung im Jahre 1992 spielen die Herren einen außerordentlich melodischen Extreme Metal und haben im Gegensatz zu vielen anderen Gruppierungen das Kunststück vollführt, ihren ganz eigenen, unverkennbaren Sound zu kreieren. Und auch wenn man sich in den letzten Jahren versuchte von seiner unglaublich melodischen Grundausrichtung zu emanzipieren und immer brachialer wurde, hatten die nicht wenigen Anhänger irgendwie doch immer die Children Of Bodom der späten 90er- und frühen Nullerjahre im Hinterkopf und trauerten ihnen trotz der gegebenen Trademarks hinterher. Untreu wurde sich die Band nicht, war allerdings kurz davor, in einer kreativen Sackgasse zu enden. Die einzige Lösung scheint somit der Weg zurück - und zwar der komplette Weg, den man beschritten hat. Hier kommt „Halo Of Blood“!

Fans frohlocken: Nach „Blooddrunk“ (2008), ganz besonders aber „ Reckless Forever“ (2011), bewegen sich die Kinder des Bodomsees endlich wieder in die Richtung ihrer extrem starken Anfangsphase. Auf ihrem achten Album präsentieren sich die Finnen somit als Band, die klar um ihre Stärken weiß und sich voll und ganz auf den einst so liebgewonnenen, eigenen Sound konzentriert. Wer die Children Of Bodom mit Alben wie „Hatebreeder“ (1999) oder „Follow The Reaper“ (2000) kennen und lieben lernte, ist bei „Halo Of Blood“ genau richtig. Gleich mehrere Songs atmen den Geist der frühen Releases - „Waste Of Skin“, „All Twisted“, „Transference“ und „Your Days Are Numbered“ mausern sich mit rasanten Gitarren- und Keyboard-Soli, waghalsigen Leads zu energiegeladenen Hymnen, die sich in den Gehörgängen festsetzen. Auch das im Vergleich eher gemächliche „Scream For Silence“ ist ein hypermelodischer Ohrwurm, den man so von Alexi „Warchild“ Laiho und seiner Mannschaft schon lange nicht mehr hören durfte. Gesanglich hat sich Gitarrist und Frontkeifer Laiho übrigens klar entwickelt. Der von den Lesern des renommierten Magazins Guitar World zum „Best Metal Guitarist” gewählte Alexi Laiho hat sich mit Peter Tägtgren (Pain) prominente Unterstützung für die Produktion, ganz besonders für die des Gesangs, organisiert. Ein mit überzeugender Technik ausgestatteter Frontmann, der sehr viel tiefer Gift und Galle speit, beweist, dass diese Wahl durchaus sinnvoll war!

Klipp und klar wird bewiesen, mit welcher Band man es zu tun hat. Mit Überraschungen geizen die (gar nicht mal mehr so) jungen Herren dann allerdings auch nicht und vermeiden es, ihre einst thrashigen Ausflüge zu Zeiten ihrer EP „Trashed, Lost & Strungout“ (2004) konsequent zu verleugnen. Der Titeltrack und „Bodom Blue Moon“ sind brachiale Schläge in die Fresse, welche die eine oder andere Bodom'sche Zuckerguss-Melodie zu Gunsten der in ihrer zweiten Karrierehälfte entdeckten Härte zur Seite legen, um diese ganz gezielt in die Nummern zu integrieren. „Damaged Beyond Repair“ erinnert gar an das rüpelhafte „Something Wild“ (1997) - hier treten die fünf Musiker eine schöne Zeitreise an und finden zu der jugendlichen Fiesheit zurück, die man seit dem Debüt nur noch selten hören durfte. Ginge es nach Laiho, dann handelt es sich hier um echte Statements: Er und seine Mannen haben nicht selten die Nase gerümpft, wenn man ihre Musik als „Extreme Power Metal“ klassifizieren wollte. Jegliche Versuche dies zu tun, wurden in der jüngeren Vergangenheit bereits im Keim erstickt. Neben dem ureigenen Sound, trumpfen die Children Of Bodom mit gesunder Härte auf und präsentieren etwas, das den Terminus Melodic Death Metal durchaus verdient.

Die große Ausnahmestellung hat schließlich das ungewohnt ruhige und langsame „Dead Man's Hand On You“. Für die Kinder Bodoms ist dies wohl etwas, das einer Power-Ballade am nahesten kommen könnte. Die mit fast fünf Minuten längste Komposition auf „Halo Of Blood“ spielt mit den großen Melodien und dem Bombast einer Band wie Amorphis, stampft pompös drauflos und hat sogar das kleine Fünkchen Melancholie, welches man bei den Herren aus Espoo nie geahnt hätte. Ein ungewöhnliches Experiment, welches allerdings definitiv geglückt ist. Dem eventuellen Zweifler bleibt dann zumindest eine bunte Mischung aus wirklich guten Kompositionen, die an das Ufer des Lake Bodoms gespült wurden - ganz klar die interessantesten und inspiriertesten seit „Hate Crew Deathroll“ (2003). Die Kombination von Härte und Melodie ergibt endlich wieder den an und für sich einzigartigen Sound dieser Band. Die Children Of Bodom haben auf „Halo Of Blood“ ihren blauen Vogel wiedergefunden und lassen ihn aus dem Käfig - woraufhin er sich als echtes Raubtier entpuppt.

Anspieltipps:

  • Waste Of Skin
  • Scream For Silence
  • Your Days Are Numbered
  • Dead Man's Hand On You
  • Damaged Beyond Repair

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