Santiano - Mit Den Gezeiten - Cover
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Santiano Mit Den Gezeiten


  • Label: We Love Music/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Santiano produzieren weiterhin Seemanns-Schlager. Doch wer braucht so etwas?

Erfolg ist ja bekanntlich nicht planbar. Doch dass die norddeutsche Gruppe Santiano mit ihrem Musikstil erfolgreich sein würde, hätten sicher die kühnsten Optimisten nicht erwartet. Die Mischung aus Seemannsliedern, Irish Folk, Pop, Schlager und Rock klang auf ihrem Anfang 2012 erschienenen Debütalbum „Bis Ans Ende Der Welt“ weder innovativ noch sonderlich originell. Trotzdem trafen Santiano damit bei den Hörern einen Nerv. Egal ob Unheilig-Fans, die beim Seemanns-Gothic „Große Freiheit“ des Grafen mitsummten, Irish-Pub-Besucher oder einfach die breite harmoniebedürftige Masse, die Musik rein zum Zwecke der Unterhaltung benutzt, niemand war vor Santiano sicher. Folge: Ihr Erstling „Bis Ans Ende Der Welt“ (02/2012) war der Chart-Hammer des vergangenen Jahres!

Nach der „Bis Ans Ende Der Welt“ Live-Version für das Weihnachtsgeschäft 2012, folgt nun mit „Mit Den Gezeiten“ das zweite Studioalbum, bei dem sofort die schlageresken Texte auffallen, die den Hörer spätestens nach dem dritten Track nerven dürften. Es sei denn, dieser bringt ein Faible für eher seichte Lyrik mit. Trotzdem dürfte auch bei beinharten Schlagerfans die Schmerzgrenze erreicht sein, wenn aus dem The Hooters-Hit „All you zombies“ „Bis in alle Ewigkeit“ wird. Mehr „Carmen Nebel“-Touch geht nicht.

Doch scheinbar stehen auch Metal- und Rockfans auf Santiano, die angekündigt haben, auf einer der regelmäßig stattfindenden Heavy-Metal-Cruises teilnehmen zu wollen. Ihr Auftritt auf dem Wacken Festival 2013 ist jedenfalls schon gebucht. Verrückte Welt! Denn Santianos plüschige E-Gitarren und das Beiwerk aus Geige, Akkordeon, Flöte und Banjo passen eher auf ein Mittelalterfest als auf Rockmusikevents.

So ist es äußerst schwierig, auf „Mit Den Gezeiten“ auch nur einen Song zu finden, der sowohl die musikalische als auch die lyrische Kitschgrenze nicht überschreitet. Santiano ziehen ihre Seemanns-Tour dennoch knallhart durch und zementieren sämtliche Texte, ohne mit der Wimper zu zucken, mit ihren pseudo-seemännischen Vokabeln. So wird kurzerhand auch der Bob Geldof-Titel „Great song of indifference“ mit Seemannsgeschunkel und Irish-Folk-Zugaben verhaftet und wie die überwiegend selbstgeschriebenen Songs der Flensburger Combo mit Plattitüden und Seemannsgarn ausstaffiert.

Anspieltipps:

  • Drums and Guns
  • Gott muss ein Seemann sein

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