Cäthe - Verschollenes Tier - Cover
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Cäthe Verschollenes Tier


  • Label: DEAG/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Cäthe etabliert ihre raue Stimme mit ihrem zweiten Album als Marke.

Vor zwei Jahren auf ihrem Debüt musste sich Cäthe noch beweisen. „Ich muss gar nichts“ ist rückblickend wie eine Exposition, welche die raue Stimme und den erdigen Pop der in Hamburg lebenden Sängerin an den Hörer heran tragen musste. Mit der neuen Scheibe kann sich Cäthe etablieren und darf sich nicht nur vorstellen. Die Fehler des Debüts können vergessen gemacht und die Stärken ausgefeilt werden. Dies ist der übliche Druck eines zweiten Albums, wenn das erste Album Eindruck schinden konnte.

Ohne sich auch nur ansatzweise nach anderen umzudrehen, wird auch auf „Verschollenes Tier“ darauf gesetzt, die Musik der Sängerin anzupassen. Cäthe wird von vollen, ruhigen und leicht verzerrten Tönen begleitet, die ihre Reibeisenstimme passend untermalen. Das Ergebnis ist ein nahezu perfektes Poptrio zum Auftakt, wenn die Wahlhamburgerin sich auf eine Kreativstufe mit Künstlern wie Mia. und Spillsbury hebt. Dabei lässt sie den eingängigen Pop allerdings nie außer Acht. Cäthes Musik klingt interessant, weil sie dicht und voll ist, anstatt künstlich vertrackt wirken zu wollen.

Passend zum kräftigen, oft warmen Klang des Albums passt die simple, natürliche Wortwahl Cäthes, die mit Phrasen wie „Bleib' mal locker“ arbeitet und von „Stullen und Hack“ erzählt („Gelbe Kartons“), oder dass der „Vatter 's Maul nicht zukriecht“ („Kleingeld“). Die Mischung aus Poesie und Alltagssprache schafft sich seinen ganz eigenen Platz in der sonst so durchschaubaren Radiolandschaft. Selbst berechnende Mitsinghymnen wie „Alien“ gewinnen dank mysteriöser Atmosphäre Hörerherzen und erinnern uns daran, dass man es nicht übertreiben muss, wenn man anders sein will. Manchmal reicht es, einfach sein eigenes Ding zu machen.

Der einzige große Makel, den Cäthes Debüt aufwies, waren die offensichtlichen Füller. Auch auf „Verschollenes Tier“ gibt es immer noch Lieder, die sich nicht so richtig absetzen wollen. Dank der hervorragenden Produktion fallen sie allerdings nicht annähernd so schnell ins Ohr und damit ins Gewicht. „Funken“ kaschiert seine recht statische Natur mit guter Gitarre und Bläsern, und auch das letztlich ins Nichts verlaufende „Tu Was Du Willst Aber Tu Es Langsam“ hat so viel Druck hinter sich, dass es den Hörer nicht in Versuchung führt, die Skip-Taste zu betätigen. Allein das kurze „Einer Ist Immer Der Arsch“ klingt nach recht offensichtlicher Herzschmerztherapie ohne viel Mehrwert für den Hörer, sondern eher für die Künstlerin selbst.

Neben Schwächen, die bei anderen immer noch das solide Mittelmaß wären, überwiegen jedoch die gelungenen und zeitgemäßen Pop-Perlen wie zu Beginn des Albums oder „Auf die Dächer“. Und natürlich dürfen die warmherzigen Balladen „Waffen Niederlegen“ sowie der Titeltrack nicht außer Acht gelassen werden. Dass die Balladen gemeinsam mit „Gelbe Kartons“ und dem etwas schwächeren Schlusstrack „Mit Dir Mein Herz Bin ich Frei“ rarer gesät sind als auf dem Debüt, tut dem Fluss ebenfalls gut. Cäthe macht mit „Verschollenes Tier“ in jeder Hinsicht einen Schritt in die richtige Richtung.

Anspieltipps:

  • Hoch Oben Nah Dem Sturm
  • Geister
  • Waffen Niederlegen
  • Alien

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