Ohrbooten - Alles Für Alle Bis Alles Alle Ist - Cover
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Ohrbooten Alles Für Alle Bis Alles Alle Ist


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Majestätisch, groß und stampfend: Die Ohrbooten geben sich gewohnt ungewöhnlich.

Ist die Lieblingsfarbe blau oder gelb? Isst man lieber Fleisch oder vegetarisch? Man kann sich über vieles uneins sein, doch dass die Ohrbooten live gehört gehören, ist ein unzweifelhafter Fakt und keine bloße Meinung. Dass der von Reggae umkreiste Mix aus Dancehall, HipHop, Ska, manchmal sogar Punk und jetzt auch DubStep auf dem Silberling auch mal nicht ganz so knackig wirkt, bewies der letzte Output „Gyp Hop“. Diesbezüglich gibt es auch auf der neuen Scheibe gute wie auch schlechte Nachrichten.

Fangen wir klassisch mit dem Gemecker an. Der DubStep hätte nicht sein müssen und der Hörer darf zu Recht das Gefühl bekommen, dass hier viel zu spät auf einen Zug aufgesprungen wird. Was Seeed in Sachen Stilaneignung mit Tracks wie „Seeeds Haus“ sehr gut gelungen ist, nimmt den Ohrbooten viel ihrer Identität (zumindest auf Platte). Auch „Model“ ist eine überraschend späte Kritik am Körperwahn, der zwar immer noch aktuell ist, bis auf die Tagline „Wer hat vergessen, die ganzen Models zu füttern?“ aber nicht sehr kreativ angegangen wird.

Zum Glück gibt es aber auch die übliche Reggae-Kost zum Ausspannen, die hoffentlich den Sonnenschein nach Deutschland lockt. Stellvertretend dafür steht das selbsterklärende „36 Grad“, aber auch der Post-Party-Kater „Blau“. Am besten im Kopf bleibt aus dieser Sparte allerdings „Zwei Joints“. Während die sonstigen Reggae-Vertreter lediglich angenehm ins Gehör gehen, bleiben die Beats von „Zwei Joints“ sowie der Text im Kopf und zeigen die Stärken der Ohrbooten, die sonst nicht so offensichtlich wie gewohnt ans Tageslicht hervor kommen.

Die gute Nachricht an all den schlechten Nachrichten ist, dass ein Clubtrack wie „Bestie Bass“ für sich selbst funktioniert, allerdings meilenweit vom Charme der Ohrbooten entfernt ist. Dann doch lieber einen Ausflug ins Punk-Genre, wobei auch der DubStep brauchbar eingebracht wird („Punk Is Dad“). Die wirklich gute Nachricht sind neben dem furiosen „Punk Is Dad“ der „Augenbling“-Konkurrent „Wackelkontakt“ mit eingebauter Tanzgarantie und die Weltenretter-Hymne „Dreckiger Job“. Das sind die Ohrbooten, die mit cleveren Texten und mitreißender Musik bestechen und berechtigterweise als Alternative zu Seeed gelten.

Leider ist viel Mittelmaß vertreten und auch was die guten Reggae-Tracks angeht, muss man sich eingestehen, dass die letzten drei Alben bessere Optionen angeboten haben. Für sich allein betrachtet ist „Alles Für Alle Bis Alles Alle Ist“ ein Album mit klaren Höhen und Tiefen. So erfreulich z.B. ein „Wackelkontakt“ ist, so mittelmäßig kommt der Titeltrack daher. Es sind der Charme und die großteils immer noch gelungenen Texte, welche die Gunst des Hörers auf Seiten der Band bringen, anstatt auf die Barrikaden zu gehen.

Anspieltipps:

  • Wackelkontakt
  • Dreckiger Job
  • Zwei Joints

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