Pet Shop Boys - Electric - Cover
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Pet Shop Boys Electric


  • Label: X2 Recordings/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Pet Shop Boys beeindrucken mit ultra-modernem Electro-Pop, der aber nur zeitweise überzeugt.

Das Dutzend ist vollendet: Die Pet Shop Boys, 80er-Jahre-Helden der tanzbaren Popmusik, sind bereits so lange im Geschäft, dass sie sich nun auch den Luxus eines eigenen Labels namens X2 Recordings gönnten, auf dem ihr nunmehr zwölftes Werk „Electric“ veröffentlicht wird. Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass das Duo mit „Elysium“ melancholisch-sanfte Popmusik in Form eines soliden Alterswerks vorlegte. Nun geht es aber wieder ab in die Disco und zusammen mit Produzent Stuart Price (Madonna, The Killers, Keane) tüftelten die beiden Herren eine moderne Tanzflächenbeschallung aus, die mit ihrer Radikalität beeindruckt.

Acht eigene Songs und eine Coverversion von Bruce Springsteen („The Last To Die“) werden von Tennant und Lowe präsentiert, wobei die erste Singleauskoppelung „Vocal“ schon eine sehr hitverdächtige Nummer darstellt: Ein Teppich aus Keyboardklängen, dem typischen Gesang von Neil Tennant sowie treibenden Beats zeigt ein hypermodernes Gesicht der beiden Mittfünfziger, das durchaus gefällt. Die beiden Start-Tracks „Axis“ und „Bolshy“ machen dabei allzu deutlich, dass die Pet Shop Boys beweisen wollen, dass sie in der aktuellen Popmusik immer noch Akzente setzen können.

Der Opener beginnt mit einer Mischung aus verzerrten und sanften Klängen und bollert dann richtig los: Die beiden Briten fackeln ein Beatgewitter der heftigen Art ab, das zeitweise etwas überfrachtet klingt. Der zweite Track schwelgt danach in chilligen, leicht treibenden Beats und der Gesang kommt zur Abwechslung wieder ohne Stimmverzerrer aus. Das Springsteen-Cover von „The Last To Die“ besitzt einen ganz eigenen Charme, denn der erdige, textlich sehr melancholische Song vom „Boss“ gerät bei den Pet Shop Boys zu einem Synthiepop-Track, der die Eingängigkeit des Originals wunderbar für sich nutzt und zu eigen macht. Absolut übertrieben scheint dagegen „Love Is A Bourgeois“ zu sein, das konsequent zu einem überdimensionierten Ballermann-Synthiepop-Stampfer à la „Go West“ umfunktioniert wird und damit in die Kategorie „überflüssig“ fällt.

Überhaupt verzetteln sich die beiden Briten diesmal zu sehr in Keyboardorgien und Beatgemetzeln. Die Eingängigkeit früherer Tage scheint ihnen wohl egal zu sein, auch wenn sie nie allzu weit davon ausbrechen. Doch die gewollt moderne Ausrichtung ist diesmal Gesetz, wie auch das Zusammenspiel mit dem Rapper Example unterstreicht („Thursday“). Richtig zünden will „Electric“ dennoch nicht. Der Mut der Pet Shop Boys, moderne Sounds noch konsequenter in ihre Musik einzubinden, verdient trotzdem Respekt, aber eine durchgehend hohe Qualität lassen die Briten heuer vermissen, sodass „Electric“ am Ende nicht mehr als solide Kost darstellt.

Anspieltipps:

  • Vocal
  • The Last To Die
  • Thursday
  • Bolshy

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