Edenbridge - The Bonding - Cover
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Edenbridge The Bonding


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Gustostückerl aus dem Alpenland. Edenbridge rütteln den eingeschlafenen Symphonic Metal wach.

Manchmal ist das Musikbusiness ganz schon garstig. Vielversprechende Bands lösen sich auf, bestenfalls durchschnittliche Nachahmer verkaufen Alben wie geschnitten Brot und Genre-Pioniere geraten ins Vergessen oder müssen ihre Vorreiterrolle dem Kommerz zum Fraß vorwerfen. Manchmal gibt es aber auch Gerechtigkeit und die ist vor drei Jahren der österreichischen Truppe Edenbridge widerfahren, in dem „Solitaire“ (07/2010), das siebte Studioalbum von Sabine Edelsbacher (Gesang), Arne „Lanvall“ Stockhammer (Gitarre, Keyboard), Dominik Sebastian (Gitarre), Wolfgang Rothbauer (Bass) und Max Pointner (Schlagzeug) den 95. Platz der deutschen Albumcharts erklommen hat, ohne dass die Alpenländler einen Deut von ihrem bisherigen Kurs abgekommen sind oder Zugeständnisse machen mussten.

Demzufolge bekommen Fans dieses Jahr auch plötzlich keinen billigen Nightwish-Abklatsch zu hören, um womöglich ein paar hundert Kopien mehr abzusetzen, sondern authentische und perfekt inszenierte Symphonic Metal-Kompositionen, die als legitime Nachfolge für After Forever gelten können. Für „The Bonding“ wurde dieses Mal übrigens nicht das tschechische Filmorchester, sondern das Orchester der Wiener Klangvereinigung verpflichtet und bereits 3½ Minuten nach Beginn übernehmen die Streicher und Bläser die Oberhand und zeigen, wie prachtvoll und majestätisch ein perfekt eingebundenes Orchester im Symphonic Metal klingen kann. Zwar überkommt den Hörer gelegentlich das Gefühl, mehr einem Soundtrack zu einem Film, denn einer Untergattung des Heavy Metal beizuwohnen, da das beinahe ausschließlich vom Symphonieorchester getragene „Star-crossed dreamer“ oder die großartige Klavierballade „Death is not the end“ starke Reminiszenzen zu „Das letzte Einhorn“ von America offenbart und so einige kitschige Spitzen besitzt, doch in Kombination mit den restlichen Tracks gliedern sich die anmutigen Songs wunderbar ein.

Mit dem wuchtigen „The invisible force“ präsentieren die Österreicher zudem ihr ausgewachsenes Gespür für die Gleichberechtigung von klassischen Elementen, ohne aufgesetzt zu wirken. Im rasanten „Shadows of my memory“ dürfen sich ein paar Growls mit Sabines klarer Stimme paaren, „Into a sea of souls“ und „Far out of reach“ kreieren stimmungsvolle Gebilde und entführen aus dem tristen Alltag, selbst wenn letzterer Song für Edenbridge unerwartet progressiv ausfällt und dadurch einige Durchläufe benötigt, bis er zündet, doch mit dem titelgebenden Abschluss, der eine stolze Viertelstunde beansprucht, schießen Lanvall und seine Mitstreiter dann endgültig den Vogel ab: Beginnend als opulenter Schlagabtausch zwischen Frau Edelsbacher und Erik Martensson (Wet, Eclipse), spielt sich die Nummer in einen gänsehautfördernden Rausch, liefert in einem ausgewachsenen Instrumentalteil mit Hilfe einer japanischen Harfe fernöstliche Folkmelodien und sorgt im epischen Finale für die emotionale Klimax. Größer, liebevoller und überwältigender kann Symphonic Metal eigentlich nicht mehr dargebracht werden. Hut ab, Edenbridge!

Anspieltipps:

  • The Bonding
  • Far Out Of Reach
  • Death Is Not The End
  • Shadows Of My Memory

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