B-Tight Playaz - Drinne - Cover
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B-Tight Playaz Drinne


  • Label: Raid Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 105 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

HipHop trifft Alternative Rock. Das große Comeback des 90er-Jahre-Crossovers!

Die Kombination aus Hardrock bzw. Heavy Metal und Rap (file under: „Crossover“) gehörte in ihrer Hoch-Zeit in den 90er Jahren in ihren verschiedensten Ausprägungen zu den schlimmsten Auswürfen, die die Populärmusik jemals hervorgebracht hat. Denn nur wenige Künstler verstanden sich wirklich darauf, die Vermischung zweier total unterschiedlicher Stile authentisch und ungezwungen klingen zu lassen.

Was zum Beispiel bei Rage Against The Machine, Clawfinger, den Deutschen von Such A Surge und vor allem auf dem gefeierten „Judgement Night“-Soundtrack (09/1993) hervorragend funktionierte, driftete bei Bands wie Dog Eat Dog, Body Count und den H-Blockx bereits wieder ins Lächerliche ab. Am Ende der 90er Jahre mutierte der Crossover zum Nu-Metal bzw. Nu-Rock und brachte mit Limp Bizkit, Korn, Slipknot, Linkin Park und System Of A Down weitere Vertreter hervor, die die stilistischen Begrifflichkeiten noch weiter dehnten und große Erfolge damit feierten. Grundsätzlich gilt das Thema „Crossover“ aber als erledigt.

Im vergangenen Jahr erschien dann mit „Drinne“ im September das vierte Soloalbum des Berliner Rappers B-Tight (33), der darauf seine HipHop-Wurzeln abstreifte und in Zusammenarbeit mit den Emil Bulls in totgeglaubten Crossover-Gefilden wilderte. Das Album stieg auf Platz 60 der deutschen Longplay-Charts ein und führte B-Tight und seine Playaz auf eine ausgedehnte Deutschlandtour. Das ist Grund genug, um „Drinne“ nun eine Tour Edition zu spendieren, die das ursprüngliche Album mit einer Bonus-DVD aufwertet, auf der über eine Stunde lang dokumentiert wird, was seit der Veröffentlichung von „Drinne“ im Leben der Playaz passiert ist.

„Drinne“ ist grundsätzlich als Partyalbum zu verstehen, das mit Texten über Frauen, Saufen, Drogen und Party machen niedrige Instinkte anspricht – und das dauerhaft von der ersten bis zur letzten Note („Wenn ich komme“, „Tittenmaus“, „Schaumparty“, „Hawaii“). Damit ereignet sich auf dem Longplayer über weite Strecken genau das, was dem Crossover schon vor 20 Jahren den Sargnagel ins Herz getrieben hat: Alberne bis dümmliche Texte paaren sich mit stumpfen volksfesttauglichen Melodien, was den Spaß an der Mischung aus HipHop-Rhythmen und scharfen Gitarrenriffs nachträglich trübt.

Dass es auch besser geht, zeigen intensive Midtempo-Stücke wie „Die Zeit heilt nichts“, energiegeladene Tieftöner à la Limp Bizkit („Sie verführt mich“, „Albtraum“) und kritisch-anprangernde Hymnen wie „Blitzlicht“ und „Fesseln“, die sich in der Menge leider den debilen Party-Tracks geschlagen geben müssen. Hier wäre also deutlich mehr drin gewesen, was als Erkenntnis und Grundlage für ein etwaiges zweites Playaz-Album hilfreich sein könnte.

Anspieltipps:

  • Fame
  • Drinne
  • Blitzlicht
  • Sie verführt mich
  • Die Zeit heilt nichts

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