Leprous - Coal - Cover
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Leprous Coal


  • Label: InsideOut/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Düstere Machenschaften aus den Kohleminen Norwegens.

Schwarze Kohle, weiße Diamanten, der Ursprung ist gleich, Kohlenstoff. Das Cover (erneut von Jeff Jordan) deutet sehr schön an, was einen auf dem neuen Album der Norweger von Leprous erwartet. Es wird ordentlich Kohle verheizt, aber immer wieder blitzt auch die Schönheit von Diamanten durch. Die Musik ist deutlich dunkler als auf dem farbenfrohen Vorgänger, wahrscheinlich mussten die Musiker lange und hart schuften, um an diese „Diamanten“ heran zu kommen.

Der erste Durchgang von „Coal“ gestaltet sich nicht ganz einfach, da prasseln ziemlich viele zunächst unmelodisch und düster wirkende musikalische Ideen wie Stakkato-Riffs und getragene Synthieflächen auf den Hörer ein. Heraus sticht dabei der Gesang von Einar Solberg, der eine enorme Bandbreite an Tönen aus seiner Kehle bekommt, was aber nicht immer positiv zu beurteilen ist. Zu oft wird man mit einem seltsamen Gejaule genervt („Foe“, „The Valley“, „Echo“), das nun wirklich niemand gebraucht hätte. Er kann aber genauso gut melodisch trällern wie düster melancholisch singen. In der Ballade „The Cloak“ meint man sogar, Justin Hawkins von The Darkness zu hören, verrückt wie vielfältig dieser Norweger ist.

Wo Hässliches ist, ist auch Schönes. Ganz getreu dem Motto des Covers. Das ist bei Leprous so ein gewisses Markenzeichen, man könnte auch Problem sagen, denn jeder Song beinhaltet die beiden gegensätzlichen Seiten, manchmal ergibt sie eine spannende Synergie, manchmal eben auch nicht. Insofern ist kein Song schlecht, doch selten überzeugt einer von A bis Z. Der Beginn des Albums mit „Foe“ kommt überhaupt nicht in die Gänge, es hat zwar einige coole Ideen, wie die Chöre zum Ende, aber an der Umsetzung scheitert es (angesprochenes Gejaule). Mit „Chronic“ wird es durch unterschiedliche Tempi deutlich interessanter und spannender, aber erst der Titeltrack bringt die Dramaturgie zur vollen Entfaltung, vor allem wenn das schon düstere Spektakel ab ca. Minute vier noch mal einen tieferen Kohleschacht wählt.

„Coal“ präsentiert sich als eine Schwerlast und das, obwohl es gar nicht so ideenüberladen ist, wie sein Vorgänger. Die dunkle Materie macht es wahrscheinlich so schwer und bedrückend, besonders gut zu hören in „Contaminate Me“, in dem der Gast Ihsahn mit seinem Black Metal-Gesang ordentlich Weltuntergangsstimmung kreiert. Trotz vieler guter musikalischer Ideen und einer sehr spannenden Atmosphäre wird man nur schwer warm mit dem Album. Vielleicht liegt das an den vielen kleinen Störfaktoren, doch trotzdem ist es durch seine unvorhersehbare Art und seine düsteren Machenschaften irgendwie beeindruckend. Möglicherweise wird der Faktor Zeit beim warm werden noch etwas nachhelfen.

Anspieltipps:

  • Coal
  • Contaminate Me
  • The Valley

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