Amon Amarth - Deceiver Of The Gods - Cover
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Amon Amarth Deceiver Of The Gods


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Statusverwaltung nach schwedischer Art: Kraftvoll, aber am Pfeffer wurde an zu vielen Ecken und Enden gespart.

Es ist schon etwas länger her, dass uns Johan Hegg (Gesang), Olavi Mikkonen (Gitarre), Johan Söderberg (Gitarre), Ted Lundström (Bass) und Fredrik Andersson (Schlagzeug) mit einem Album zum Staunen brachten. Gerade der Nachfolger des bei den Fans umstrittenen „Fate Of Norns“ (09/2004) holte die Kohlen aus dem Feuer und knallte ein Werk auf den Tisch, an dem sich das schwedische Fünfergespann bis heute messen lassen muss. „With Oden On Our Side“ (09/2006) hatte aber nicht nur hochkarätige Songs zu bieten, die heutzutage in keiner Live-Setlist fehlen dürfen, auch der dynamische Spannungsbogen suchte seinesgleichen und wurde auf den sukzessiven Veröffentlichungen „Twilight Of The Thunder God“ (09/2008) und „Surtur Rising“ (03/2011) lediglich in Nuancen erreicht. „Deceiver Of The Gods“ scheint diese Ohnmacht offenbar überwunden zu haben, immerhin starten Amon Amarth auf ihrem neunten Longplayer mit einer Wucht aus den Boxen, das man gar nicht weiß, ob einen da gerade Mjölnir oder Gram getroffen hat.

Der Titeltrack schnalzt jedenfalls mit einer derartigen Melodieverliebtheit in der Gitarrensektion um die Ecke, dass das Prädikat „Instant-Klassiker“ schon fast als Untertreibung gelten darf. Gemeinsam mit seinem grandios-hymnischen Refrain ist der Auftakt nämlich nichts anderes als ein musikalisches Fest für die Götter. Im Anschluss legen Hegg und seine Mannen in der Einleitung von „As Loke falls“ sofort mit einem Gänsehautriff nach, streifen sich den Thrash-Harnisch über und prügeln den vor exzellentem Songwriting sabbernden Hörer zu Brei. Einziger Wermutstropfen ist das etwas einfallslose Fadeout (Jungs, wir haben 2013 und nicht 1995). Wenn kurz darauf aber bereits stampfender Melodic Death Metal der Extraklasse geboten wird, sind derartige Fauxpas schneller vergeben, als man seiner Nachbarschaft den eingängigen Schlachtruf „Serpent´s king! Born of sin! Dark within! Father of the wolf!“ zurufen kann.

Dummerweise beginnen Amon Amarth ab diesem Moment zu schwächeln und können in „Shape shifter“ nur mehr wirklich mit einem in den Strophen genüsslich vor sich hin grummelnden Johan punkten, während der Refrain etwas verhalten und lasch die treibende Doublebass verziert. Ähnliches widerfährt auch „Under siege“, denn obwohl die Nummer mit ihren schweren Gitarren und der hymnischen Melodie eine typisch-schwedische Signatur trägt, vergisst der Track, auf einen Höhepunkt zuzusteuern und verbleibt als hübsch inszeniertes Schlachtepos im gehobenen Mittelfeld. Dafür wird es zum Ausgleich in „Blood eagle“ nicht nur aufgrund eines leckeren Hörspiels wieder ordentlich blutig, denn der Fünfer bringt auch, wie bereits in „Where is your god?“ oder „Asator“ von den o.g. Vorgängeralben, seine Liebe zu knüppelhart arrangierten Songs in Circle Pit-Atmosphäre zum Ausdruck, bis sich „We shall destroy“ und „Coming of the tide“ in die Fußstapfen von „Under siege“ begeben und lediglich mit kleineren Ideen wie z.B. einem gut platzierten Gitarrensolo zu glänzen wissen.

Für gespaltene Meinungen wird mit Sicherheit das Duett zwischen Hegg und Candlemass-Unruhestifter Messiah Marcolin in „Hel“ sorgen. Die einen werden den gehobenen Doom-Anteil und die arabische Note (!) in den chorähnlichen (!!) Passagen verteufeln, die anderen den Mut zu einer solch gelungenen Überraschung in den Himmel loben. Zu welchem Lager man sich letztendlich auch zählt, mit dem Abschluss „Warriors of the north“ haben sich die Schweden keinen Gefallen getan. Was als grandioses Epos beginnt und nach einem Tempoanstieg an Intensität gewinnt, setzt, kurz bevor der Track in fabelhafte Sphären aufbrechen könnte, lieber wieder zum Sinkflug an und bringt die Nummer zurück an den Start. Mit dieser Fehlentscheidung verspielen Amon Amarth einigen Kredit, selbst wenn die fünf Herrschaften beim Songwriting so offenherzig wie nie zuvor vorgegangen sind („If we had ideas or riffs that were perhaps a little too thrash oriented or traditional-metal sounding for Amon - or that were maybe too Amon or perhaps similar to what we had done in the past - we would still keep them as long as we really liked them.“) und man dieser Herangehensweise wohl das starke Anfangstrio oder das mutige „Hel“ zu verdanken hat. Das Motto für das nächste Werk bleibt also aufrecht: „With Oden On Our Side“ vom Thron stoßen!

Anspieltipps:

  • Hel
  • Blood Eagle
  • As Loke Falls
  • Deceiver Of The Gods

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