Editors - The Weight Of Your Love - Cover
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Editors The Weight Of Your Love


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Jetzt hat es auch die Editors gepackt: Stadion-Rock und große Gesten im U2-Stil. Muss das denn wirklich sein?

Vor zehn Jahren gründete sich im englischen Birmingham die Band Editors, die sich trotz ihrer etwas düsteren Attitüde im Strudel des damaligen BritPop/Rock-Revivals durchsetzen konnte und drei gefeierte Studioalben auf den Markt brachte. Das bis dato letzte Werk „In This Light And On This Evening“ erschien im Oktober 2009 und fügte dem Editors-Sound zunehmend elektronische Elemente hinzu. Da die Band aber keinen kreativen Stillstand kennt, steht auch diese Entwicklungsstufe mit dem neuen Werk „The Weight Of Your Love“ wieder auf der Probe, zumal sich das Line-up der Briten aufgrund musikalischer Differenzen verändert hat.

So hat Gitarrist und Gründungsmitglied Chris Urbanowicz im April des vergangenen Jahres die Editors verlassen, um von gleich zwei Neuzugängen ersetzt zu werden: Justin Lockey bedient ab sofort die Gitarre und Elliot Williams übernimmt die Keyboards und Synthesizer. Für die Aufnahmen verschlug es das Quintett in die USA, nach Nashville, wo der Amerikaner Jacquire King (Norah Jones, The Airborne Toxic Event, Kings Of Leon, Of Monsters And Men, Tom Waits) als Produzent zur Seite stand und dem Sound der neuen Songs eine entsprechende US-Breitwandklangfärbung mitgab.

Damit einhergehend haben die Editors die elektronischen Komponenten des Vorgängers wieder zurückgefahren und ein Album geschaffen, das für subtile Momente kaum noch Lücken lässt. Denn „In This Light And On This Evening“ schwelgt von der ersten Minute an in cinemascopeartigen Bombast-Arrangements, die kaum ohne dauerhafte Orchesterunterstützung auskommen („Honesty“, „Nothing“) und sich auch noch frech links und rechts des Weges bei der Konkurrenz bedienen. So hört man im Opener „The weight“ Blues im Stil von Depeche Modes „Delta Machine“, ergänzt von Streichern und voluminösen Chören heraus, während „Sugar“ auf Björks „Army of me“-Bassline aufbaut und darüber hinaus mit einer hymnischen Hookline um die Ecke kommt.

Stadion-Rock und große Gesten im U2-Stil gibt es in „A ton of love“ oder auch „Hyena“ zu hören. Pop-Pathos à la The Killers liefert „Formaldehyde“ und in „Two hearted spider“ klingt Sänger Tom Smith wie der junge Nick Cave bei der Bergpredigt. Die Vergleiche zeigen: Das britische Quintett hatte für dieses Album gewiss keine kleinen Ansprüche. Doch darin liegt auch die Crux! Denn „In This Light And On This Evening“ ist ein Longplayer, das extrem dick aufträgt und den Hörer mit all seiner Wucht förmlich an die Wand drückt.

Damit lässt dieses Album kaum Raum für Interpretationen oder kleine Schätzchen wie das akustische Folk-Stück „The phone book“, das sich zwischen all den Wuchtbrummen wie ein Fremdkörper vorkommen muss. So poltern die Editors dann auch mit dem Schlussstück „Bird of prey“ betont drückend und laut aus ihrem neuen Betätigungsfeld, das mehr denn je den Stempel des Stadion-Rock inne hat. Dass die Briten dieses Segment tatsächlich beherrschen, beweisen treibende Songs wie „A ton of love“ oder die Breitwandballade „What is this thing called love“. Doch wenn dabei der letzte Funke Subtilität verloren geht, ist das mit einem Blick auf das bisherige Schaffen irgendwie unbefriedigend.

Anspieltipps:

  • Sugar
  • Hyena
  • The weight
  • The phone book
  • What is this thing called love

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