Black Bull - Rock All Night - Cover
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Black Bull Rock All Night


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer braucht schon Sandra Nasic, wenn man auch eine Lucie Roubíčková haben kann?

Dem Osten Europas traut man bei den dominanten Dance-, Trance- und Techno-Szenen irgendwie nur selten harten Rock zu. Dass diese Länder kaum etwas in diese Richtung zu bieten haben, ist natürlich ein Irrglaube, den diverse Genrevertreter immer wieder gerne beweisen. Im Falle von Black Bull wird deren Heimatland Tschechien sicherlich auch weiterhin nicht zur Metal- und Rock-Weltmacht, bekommt aber eine weitere Band, die der Rest Europas gut und gerne berücksichtigen darf. Frontröhre Lucie und ihre drei Kumpels revolutionieren auch nicht den Hardrock, arbeiten aber so smooth und professionell, als seien sie schon seit Jahrzehnten zugange. Dass es sich bei den vier Musikern nicht um Neulinge handelt, wird von Anfang an klar gemacht. Sie sind allesamt Profis und gefragte Musiker in der tschechischen Rock-Szene. In den einzelnen Viten finden sich Namen wie Citron, Empire, Glock22 oder Krles, die hierzulande wahrscheinlich keinem etwas sagen, bei den tschechischen Nachbarn aber durchaus bekannt sein dürften; zum Teil auch abseits des Undergrounds. Im Kollektiv haben sich die Musiker dem Heavy Rock verschrieben, der hauptsächlich von Gitarrist Sali komponiert wurde.

„Rock All Night“ ist Black Bulls Erstling und ein gut gelaunter, geerdeter Rocker, der nicht mehr sein will als er ist und deshalb so charmant und sympathisch erscheint. Eine gute Dreiviertelstunde kriegt der Fan deshalb einen extrem partytauglichen, straighten und zünftigen Hardrock serviert. Sängerin Lucie ist mit ihrer kraftvollen, wandlungsfähigen Stimme ein echtes Aushängeschild, welches den Songs das gewisse Etwas gibt - sie erinnert an eine Elisa C. Martín (ex-Dark Moor), Kim McAuliffe (Girlschool) und noch stärker an eine junge Sandra Nasic (Guano Apes), als diese noch etwas zu sagen hatte und sich gehütet hätte, in Castingshows rumzutingeln oder auf Albumcovern einen abzuseilen. Zusammen mit dem klassischen Line-Up (Gitarre, Bass, Schlagzeug) ist „Rock All Night“ eine ehrliche Angelegenheit, die kompromisslos geradeaus rockt. Auf einem Silberling konserviert klappt das schon gut, aber Songs wie „Dirty Game“, „Seven Seas Apart“, „Wrong“ oder „Ritual“ sind waschechte Live-Kracher, die vor und mit einem Publikum wahrscheinlich die beste Figur machen. Black Bull versprühen massenhaft positive Energie und Spielfreude. So abgedroschen der Albumtitel „Rock All Night“ auch klingen mag - Black Bull wollen tatsächlich nicht mehr und bringen es auf den Punkt. Mit „Hunted“ oder „Rape Me Back“ hat man in Form von Power-Balladen den richtigen Riecher, wann eine Verschnaufpause angebracht ist.

Letztere Nummer hat es gleich zwei Mal auf das Album geschafft. Die vom Piano getragene Version bietet mit Circle II Circles Henning Wanner einen gesanglich extrem interessanten Gastsänger, der der ohnehin schon guten Ballade zusätzliche Nuancen gibt. Die Tschechen bieten also ein gefundenes Fressen für Liebhaber des Genres. Wirklich innovativ ist - angefangen beim Namen des Albums bis hin zu den Lyrics - nichts, aber gerade das ist auch das größte Argument dieser Gruppe. Alle Musiker sind professionell genug, um zu wissen, was sie mit „Rock All Night“ erreichen wollen. Wem also Trends gediegen am Podex vorbei gehen und wer grundsätzlich Lust auf super gespielten und eingesungenen Hardrock hat, der einfach nur gute Laune macht und in seiner Form schnörkellos ist, darf gut und gerne Black Bull eine Chance geben.

Anspieltipps:

  • Dirty Game
  • Rock All Night
  • Rape Me Back
  • Ritual

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