Roxin Palace - Roxin Palace - Cover
Große Ansicht

Roxin Palace Roxin Palace


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sowohl Anhänger von Hair-Metal als auch Kenner des italienischen Power-Undergrounds werden hier gut bedient.

Wir erinnern uns: Anfang der 90er-Jahre stampfte der böse Grunge den Metal ein. Natürlich wissen wir heute, dass dieser „never dies“ und im Gegensatz zu dem erstgenannten den Status einer Jugendkultur überwunden hat und so lebendig wie noch nie ist. Der vielfach verschmähte Hair-Metal hat den großen Crash dagegen weniger gut vertragen. Das Kommerz-Monstrum der 80s war praktisch tot, lediglich die großen Helden des Genres konnten überleben. True Metaler freuten sich über das Glück im Unglück - heute ist es ihnen schlichtweg egal. Da die Retro-Welle aber auch nicht vor dem damaligen Spandex-Sound Halt macht, formiert sich die Hair-Metal-Szene nach und nach neu. Der Hass auf diese hat sich langsam abgekühlt und sie spielt sich bis auf Ausnahmen auch nur im Underground ab. So bekommt diese Art der Musik - egal ob nun als Hair-Metal oder Sleaze klassifiziert - ein zweites Leben geschenkt.

Roxin Palace aus Italien mischen ordentlich mit und veröffentlichen ihr selbstbetiteltes Debüt. Und sie meinen es ernst! „Roxin Palace“ atmet den Spirit der vergangenen Zeiten und ist ein waschechtes Kind der 80er. Ob sie damals wohl Stadien gefüllt hätten, bleibt nur zu spekulieren. Aufmerksamkeit hätte man der jungen Band, die sich unter anderen aus Mitgliedern von Elvenking oder den mittlerweile ins Thrash-Fach gewechselten Revoltons formierte, definitiv geschenkt. Roxin Palace ist eine Liebhaber-Gruppe, welche ohne Kompromisse den Sound spielt, den sie von Anfang an versprochen haben. Dabei ist es auffällig, dass sich Roxin Palace hauptsächlich treu bleiben und schnörkellos ihr Ding durchziehen, ihr Erstling aber besonders für Freunde des italienischen Power Metals einige Überraschungen parat hält. Die erste Hälfte des Albums ist straight: Die fünf Italiener zünden Bomben aus Haarspray-Dosen, welche besonders an die „Dr. Feelgood“-Zeit der Mötley Crüe erinnern. Der Opener und Titeltrack ist noch nicht ganz so spektakulär - dafür gehen die folgenden Songs direkt in Bein und Rückenmuskulatur. Ein besonderes Highlight ist dabei das groovende „We Are Losing Both“, bei dem sich der Elvenking-Frontmann Davide Moras (auch bekannt unter Damna bzw. Damnagoras) die Ehre gibt.

Die extrem gelungene Ballade „Gothic L.A.“ wäre damals ein Radio-Hit geworden, heute ist sie lediglich „nur gut“ und beweist, dass Roxin Palace besonders dann ihr Fach verstehen, wenn es um das Schreiben von Power-Balladen geht. Kein Wunder: Gitarrist Alex „Crown“ Corona war ein Hauptverantwortlicher für den herbstlichen Klang des grandiosen (und sträflichst übersehenen) Revoltons-Debüts und weckt hier Erinnerungen an eben jenes Werk. Die Ballade wirkt wie eine Zäsur. Coronas kühler, melancholischer Gitarrensound zieht sich wie ein roter Faden durch die zweite Hälfte des Album, ordnet sich aber brav dem Hauptkonzept unter. Die Kompositionen „Empty Virus“, „Collapsin' Parks“ und „Modern Middle Ages“ wildern dennoch im Italo-Power-Underground und setzen zum Teil da an, wo Corona mit dem Revoltons-Werk „Underwater Bells“ (2009) aufgehört hat.

Roxin Palace befinden sich hier auf der Grenze zwischen Hair-Metal und dem Hardrock ihrer Landsmänner Headrush. Insgesamt ist ihr selbstbetiteltes Debüt überaus gelungen. Und dies nicht nur für Anhänger von Hair-Metal oder Sleaze Rock. Der Härtegrad ist angenehm hoch und das Gros des Materials geht gut ins Ohr. Einen Preis für Innovation gewinnen die fünf Italiener sicherlich nicht, dafür bewegen sie sich doch zu arg innerhalb des Genres. Allerdings wartet der Sound definitiv mit einem eigenen Charakter auf und erreicht genau das Ziel, welches Roxin Palace angepeilt haben: Spaß, gute Laune und absolute Playlist-Tauglichkeit. Liebhaber von dieser Art Musik hören unbedingt mal rein und behalten die Band auf dem Schirm.

Anspieltipps:

  • We Are Losing Both
  • Gothic L.A.
  • Empty Virus
  • Collapsin' Parks

Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
5/10

Fistful Of Fire
  • 2020    
Diskutiere über „Roxin Palace“
comments powered by Disqus