The Moody Blues - Live At Montreux 1991 - Cover
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The Moody Blues Live At Montreux 1991


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 96 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein technisch mangelhaftes Zeugnis davon, wie belanglos eine große Band doch werden kann.

Hier kommt eine weitere Veröffentlichung aus dem schier unendlichen Fundus der The Moody Blues-Livemitschnitte. „Live At The Montreux 1991“ zeigt die Prog-Legenden in ihrem 27. Lebensjahr und somit schon damals als echten Rock-Dinosaurier, der im Rahmen des 25. Montreux Jazz Festivals sogar zwei Jahre älter als eben jenes war. Die Zeit bleibt eben nicht stehen. Aus den Jungs, die als Blues- und Beatband anfingen, wurde schließlich einer der Wegbereiter des Progs. Die bis heute bestehenden The Moody Blues sind zudem eine der langlebigsten Bands überhaupt. Das Problem ist, dass die Moodys schon damals ihre besten Zeiten hinter sich hatten. Nach der kreativen Hochphase der ersten Jahre, folgte nach dem 1971 erschienenen Album „Every Good Boy Deserves Favour“ ein Abstieg, welcher den Legendenstatus der Briten zwar nicht ankratzen konnte, aber zu Recht unbeachtet geblieben ist.

Während Genesis den Sprung in den Pop verkrafteten bzw. aus jenem Profit und Ruhm schlagen konnten, wurde die Musik von The Moody Blues in jeglicher Hinsicht zu belanglosem, glattgebügeltem und langweiligem Krawattenträger-Rock. „Bless The Wings (That Bring You Back)“, „Lean On Me (Tonight)“ oder „Say It With Love“ von „Keys Of The Kingdom“ (1991) stellen dabei auf „Live At Montreux 1991“ die absoluten Tiefpunkte dar. Selbst die alten Hits wie „Question“ oder „Ride My See Saw“ können da kaum das Ruder rumreißen. Und auch die erhabenen „Tuesday Afternoon“ oder „Nights In White Satin“ vom großartigen „Days Of Future Past“ (1967) gehen in der Masse des Pop-Materials unter und lassen jeglichen Esprit vermissen, der zum Beispiel auf dem überaus guten „Threshold Of A Dream - Live At The Isle Of Wight Festival 1970“ in rauen Mengen vorhanden war. Im Jahre 1991 waren die Mitglieder von The Moody Blues sicherlich keine jungen Wilden mehr, sondern eine eingespielte Band. Dagegen kann und darf nichts gesagt werden. Es ist nur schade, dass die Kompositionen der ersten Stunde so mehr und mehr eigenständig zu Fremdkörpern in der Setlist gemacht wurden. Lediglich das wirklich großartig mit einem ausufernden Flöten-Solo dargebotene „Legend Of A Mind“ lässt die Leidenschaft der Herren noch erahnen und erinnert daran, dass die Moodys wirklich mal ganz groß waren.

Den letzten Todesstoß versetzen „Live At Montreux 1991“ schließlich der suboptimale Ton und die schlichtweg miserable Bildqualität. Ersterer hält sich (auch auf der beigelegten Audio-CD) knapp über Wasser, wirkt aber besonders beim Gesang von Justin Hayward extrem unsauber. Die Bildqualität hingegen ist eine absolute Frechheit für ein Produkt, welches im neuen Jahrtausend veröffentlicht wird. Keiner spricht an dieser Stelle von HD oder 1080p . Das Bildformat von 4:3 jedoch, welches mit zusätzlichen Cinemascope-Balken ausgestattet ist, lässt das komplette Konzert auf einem modernen Fernseher wie eine flv-Datei von YouTube wirken. Während das durchgezogene Programm letztendlich dann doch Geschmack bleibt und sich der Fan sowieso aus einem großen Pool von Veröffentlichungen bedienen kann, tun sich The Moody Blues mit der Veröffentlichung dieses Konzerts keinen Gefallen. Fans, die alles von dieser Band haben müssen, greifen zu. Alle anderen finden jedoch viele gute Alternativen.

Anspieltipps:

  • Legend Of A Mind

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