Kellerkommando - Dunnerkeil - Cover
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Kellerkommando Dunnerkeil


  • Label: Downbeat/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Heute die Festzelte Süddeutschlands und morgen die Welt!?

Es ist nicht fair. Es ist schlichtweg nicht fair, dass da eine Party-Bagage anmarschiert und meint, dass sie Volksmusik mit Rap und HipHop vereinen müsste, um das Ganze zur Krönung noch mit elektronischen Beats zu würzen. Nein! Diese Nische ist so präzise auf die Festzelte der Nation abgerichtet, dass es keinen Weg gibt, objektiv über das Kellerkommando zu berichten. Wer mit bayrischer Mundart, verwursteten Kinderliedern und Atzen-Rap zu fränkischer Volksmusik nichts anfangen kann, der nimmt jetzt bitte Reißaus. Es hat keinen Sinn. Man wird dieses Album verachten!

Wer sich hingegen auf die nächste „Kerwe“ freut und schon die von Alkohol und guter Laune aufgedunsene Luft riechen kann, der ist beim Kellerkommando genau richtig. Anstatt wie Bands ähnlich Deichkind eine gewisse Art von Massenkompatibilität einzubauen, wird hier in Dorf-Disco-Manier gute Laune zelebriert. Die Grenzen des guten Geschmacks werden mit „Maus“, „Dunnerkeil“ und der merkwürdigen Freundschaftshymne „Mondscheinbrüder“ regelmäßig hinter sich gelassen.

Die musikalische Mischung aus Volksmusik und Disco-Party ist dabei in der Idee gut. Volksmusik mit genug Beats funktioniert bei Jung und Alt gleichermaßen und Rap ist der Garant dafür, junge Hörer zu binden. Leider klingt der gewählte Stil der Truppe nicht nach den Genregrößen Deutschlands, sondern nach der zweiten Reihe weniger geliebter Atzen. Dass es in den Texten zumindest fast nie um Sex, Bitches und Hetero-Gehabe geht, ist letzten Endes nur ein Tropfen auf den heißen Stein der Geschmacksverirrung.

Und trotzdem, fernab jeglicher Qualitätsschranken, gibt es eine rappelvolle Party, auf welcher die Leute eine Dreiviertelstunde richtig gute Laune haben und abfeiern bis zum Gehtnichtmehr. Zu „Gloria, Viktoria“-Gesängen lässt man alle seelischen Hüllen fallen und gibt sich - in Verbindung mit viel Alkohol - wie Gott einen schuf. Wer geneigt ist, findet die Attitüde auch brillant, dass Volksmusik nicht gleich Musikantenstadl ist. Ob der Weg des Kellerkommandos allerdings wirklich der Richtige ist, wird geteilt aufgenommen werden. Zumindest das lässt sich mit Sicherheit sagen.

Anspieltipps:

  • Lump
  • Dunnerkeil!
  • Mein Nachbar

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