Scott Matthew - Unlearned - Cover
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Scott Matthew Unlearned


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Coverversionen, die Neuinterpretation und Originaltreue ausbalancieren, gesungen von einer sehnsuchts- und weihevollen Stimme. Hochemotional und unwiderstehlich!

Wer der Stimme von Scott Matthew einmal verfallen ist, der wird sie immer wieder aufs Neue wertschätzen und lieben. Selbst ein ausschließlich mit Coverversionen gefülltes Album wird zum Fest für den geneigten Hörer. Dass der in Australien geborene Singer/Songwriter ein Meister der Fremdinterpretation ist, beweist er ein ums andere Mal bei seinen Konzerten, auf denen er wiederholt diese Kunstform wählt. Zudem ist er häufig als Gast bei anderen Künstlern und auf Tribute-Alben zu hören. Dies war zuletzt auf der famosen Nick Drake Verneigung „Way To Blue: The Songs Of Nick Drake“ und auf Rodrigo Leaos „Songs (2004-2012)“ der Fall. Ob nun auf der Bühne oder im Studio, Matthew balanciert immer wieder Neuinterpretation und Originaltreue in wundersamer Weise aus. Der Meister selbst über seine Herangehensweise: „Lege Dein Wissen, das Erlernte ab, damit Du Dinge neu und unvoreingenommen aufnehmen kannst.“ Womit auch der Albumtitel „Unlearned“ erklärt wäre.

Dabei macht er vor kaum einer Stilrichtung halt, dichtet R&B-Disco (Whitney Houstons „I Wanna Dance With Somebody“) genauso wie Dark Wave (Joy Divisons „Love Will Tear Us Apart“) in sein Kompositionsverständnis um, ohne den Titeln ihren Kern oder Charakter zu rauben. Desgleichen überführt er den Country eines Neil Young („Harvest Moon“) und Kris Kristofferson („Help Me Make It Through The Night“) in die matthewsche Interpretations-Kunst. Bei letzterem half sein Vater Ian mit Stimme und Gitarrenspiel. Als weiterer vokaler Duettpartner trat Neil Hannon (The Divine Comedy) auf Charles Chaplins „Smile“ in Erscheinung. Außerdem flüstert die Cellistin Clara Kennedy auf „No Surprises“ (von Radiohead) als Zweitstimme.

Selbst dem Shoegazer-Pop von The Jesus And Mary Chain („Darklands“), dem Bee Gees Hit „To Love Somebody“ und dem im Radio von Rod Stewart zu Tode genudelten Song “I Don’t Want To Talk About It” haucht Matthew neues Leben ein. Zudem werden New Wave von The Motels („Total Control“) und John Denvers „Annie Song“ der entsprechenden Scott Matthew Behandlung unterzogen. Im Vordergrund steht seine Art zu singen, die den Songs dieses Unwiderstehliche verleiht. Das Sehnsuchts- und Weihevolle, die nach außen gestülpten Emotionen sind es, die die Seele des Hörers streicheln. Und oftmals sind es ganz kleine, beiläufige Seufzer und Atemzüge, die einen mitten ins Herz treffen.

Hierbei wirken seine musikalischen Mitstreiter als atmosphärische Träger dieser außergewöhnlichen Stimme. Sein Elva Snow Kollege Spencer Cobrin hat das passende Schlagwerk und Jürgen Stark das feinfühlige Gitarrenspiel parat. M. Eugene Lemcio setzt Pianoakzente und Clara Kennedy grundiert mit lyrischem bis dunklem Cellospiel. Stimme und Klangbild bilden eine Einheit, fließen förmlich zusammen und entfalten die eigenartige Schönheit, die bisher jedes Scott Matthew Album auszeichnete. Diese Magie versprüht auch „Unlearned“, das trotz ausschließlicher Coverversionen wie ein durchkomponiertes Album klingt. Mit Scott Matthews Verdienst, der auf diesem Album auch als Produzent seine Handschrift hinterlassen hat. Zudem wurde das Ganze von H.J. Mauksch bei Pauler Acoustics in Northeim gemastert, die ja bekannt für transparente und kristallklare, dennoch warme Klangbilder sind.

Anspieltipps:

  • To Love Somebody
  • I Wanna Dance With Somebody
  • Help Me Make It Through The Night
  • Love Will Tear Us Apart
  • Harvest Moon
  • I Don’t Want To Talk About It

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