Joon Wolfsberg - Revolujoon - Cover
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Joon Wolfsberg Revolujoon


  • Label: Cow Universe Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Joon Wolfsberg findet langsam heraus, was der Erfolg von ihr verlangt.

Produkte, deren Herkunft man kennt, sind oft Vertrauen erweckend. Dies traf auch bei der letztjährigen Pop-Überraschung „Wonderland“ zu. Das sehr abwechslungs- und facettenreiche Album, das Joon Wolfsberg zusammen mit Vater Joe und befreundeter Hilfe aus den USA aufnahm, zeugte von authentischer Produktion. Ein Jahr später hängt die Messlatte dementsprechend höher und man erhofft sich eine gewisse Kontinuität innerhalb des Musikkosmos der jungen Wahl-Erfurterin. Hinzu kommt, dass Wolfsberg für den großen Erfolg auch leider ein, zwei Melodien aus dem Ärmel schütteln muss, die im Ohr vieler Hörer bleiben. Ansonsten wird auch „Revolujoon“ nicht über den Status des Geheimtipps hinauskommen.

Die große Stärke der gerade mal 21-Jährigen ist und bleibt weiterhin ihre Stimme. Diese klingt nach Erfahrung und Souveränität. Wolfsberg könnte in ihren Liedern aus der Sicht einer 63-jährigen Person singen und man würde ohne zu Fragen das Ergebnis abnicken. Auf „Revolujoon“ gilt es, sich von anderen Mustern zu befreien, die den Erfolg bisher zurückgehalten haben. Anstatt sich jedoch dem heutigen Zeitgeist anzupassen, bleibt Familie Wolfsberg beim musikalischen Stil der letzten zwanzig Jahre des Radios. Synthie-Orgel und vom Bluegrass inspirierte Gitarren prägen weiterhin Joons Musik. Das ergibt den - wahrscheinlich beabsichtigten - Klang zwischen Künstlern wie Shania Twain und Billy Ray Cyrus. Bei allem kernigen Americana-Einfluss wird stets darauf geachtet, dass die Lieder auch im Radio laufen könnten, wobei ausgedehnte Gitarrensoli und Orgelsound natürlich einen starken Nachgeschmack vergangener Jahrzehnte mitbringen.

Leider verstrickt sich die 21-Jährige dabei zusätzlich in Strukturen, die für große Hymnen geeignet sind. Sich wiederholende, mitsingbare Zeilen wie in „New York“ wollen nicht in dieser Dimension zünden. Die Lieder sind eben keine Hits, die den Hörer packen und mitreißen, sondern nicht viel mehr als angenehme Unterhaltung für Zwischendurch. Die Melodien der Tracks werden besonders im Kontrast zu Joons hervorragender Stimmarbeit (Vorzeigebeispiel: „Lonely People“) als Schwäche bloßgestellt. Hörer werden an und ab schon das Gefühl bekommen, dass die Musik letztlich nur da ist, um die Stimme der Sängerin irgendwie zu unterlegen. Die obligatorischen Soli bleiben dabei ebenfalls nie in Erinnerung, sondern sind ein Stilmittel, welches lediglich artig abgeklappert wird. Dazu kommen nicht wirklich zündende Einfälle wie Indianer-Gesänge in „One Day“, die zusätzlich das Gefühl einer Country/Folk-Pop-Platte der späten 90er-Jahre verstärken.

Letztendlich kesselt sich Joon Wolfsberg mit ihrer diesmal strikteren Genrewahl noch weiter ein. Anstatt die kreative Kraft zu bündeln, wird genau der Weg gewählt, der nicht viele Hörer heranlässt (besonders wenn man an die Altersklasse der Sängerin denkt). Somit ist das homogenere Ergebnis auf der neuen Scheibe leider nicht als positives Merkmal zu sehen. Es fehlen die knallharten Nachweise in Form überragender oder wenigstens starker Titel, die den gewählten Weg rechtfertigen. „Revolujoon“ zeigt sich bestenfalls als Reformation, die es allerdings verpasst, den Charme und die Ideen des vergangenen Jahres in besserer Form wiederzugeben.

Anspieltipps:

  • User Manual
  • Time To Turn
  • Lonely People

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