Jesper Munk - For In My Way It Lies - Cover
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Jesper Munk For In My Way It Lies


  • Label: Redwinetunes/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Jesper Munk hat das Talent, doch der süddeutsche Bluesmusiker zwingt sich noch nicht genug, es auch einzusetzen.

Ein junger Mann betritt die kleine Bühne im Club. Die Zigarette im Mund und die Gitarre nur lose, aber liebevoll in der Hand, schlurft er fast an seinen Platz. Neben seinem Stuhl ist ein Tisch, auf welchem eine Flasche Rotwein und ein halbvolles Glas stehen. Hier wird nicht die Szenerie eines Damien Rice-Auftrittes beschrieben, sondern das Bild, welches sich vorm geistigen Auge auftut, wenn man Jesper Munks Idee von Blues hört (und das etwas sehr auf James Dean getrimmte Cover sieht).

Eine Struktur auf dem Album haben? Blasphemie! Echte Musiker fangen einfach an zu spielen und klagen von ihrem Leid. Zumindest wenn sie den Blues haben. Dass Jesper diesen hat, versucht er uns durchaus glaubwürdig zu vermitteln, wenngleich Soul-Nummern für James Bond-Filme („I Love You“) auch andere Vorlieben an den Tag legen. Ein wirklicher Flow entsteht allerdings nicht, denn Munk spielt einfach, wonach ihm der Sinn steht. Da mogelt sich stampfender Blues in Form von „Hungry For Love“ zwischen lauter ruhige Musik oder eben die Soul-Glamour-Nummer.

Der Hörer kann sich eine kleine Session eines Jungmusikers vorstellen, der noch kein rechtes Gefühl für Höhen und Tiefen hat. Viel zu selten können sich die ruhigen Nummern wirklich entfalten (so zum Beispiel „Our Little Boathouse“) und anstatt zu rocken, irritieren die lauteren Stücke meist mehr. Die einzelnen Nummern für sich alleine gesehen, schafft Jesper solide Songs, daran gibt es nichts zu rütteln. Vom kurzen „John's A Man“ zu romantischen Balladen wie „Drunk On You“ erledigt Munk seine Hausaufgaben, ohne durch das ganz große Ding aufzufallen.

Die Ansätze für richtig guten Blues sind zwar vorhanden, aber dafür fehlen noch die durchweg gelungenen Spannungsbögen. Natürlich darf Blues schleppend sein und sich seine Zeit nehmen, doch Munk scheint sich zu oft für den atmosphärischen Weg zu entscheiden und verleiht dem Album so kaum Kante. Diese fehlende Drucksituation, der sich Munk nie aussetzt, sorgt auch dafür, dass dieses Album nicht begeistern will. Und keine falschen Ausreden: Auch entspannter Blues kann einen vom Hocker hauen.

Anspieltipps:

  • Drunk On You
  • 7th Street
  • I Love You

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