Lemuria - The Distance Is So Big - Cover
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Lemuria The Distance Is So Big


  • Label: Bridge Nine Records
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nein, Lemuria versinken nicht wie das hypothetische Stück Land, nachdem sie sich offenbar benannt haben. Das Trio setzt aber auch nicht zu Höhenflügen an.

Welches Wort passt nicht in diese Reihe: Agnostic Front, Boysetsfire, Death Before Dishonor, Lemuria? Da hätten wir dreimal den puren Abriss und einmal Indie-Rock, der gleichzeitig sowohl auf Pop-Punk als auch Pop an sich verweist. Alternative-Rock könnte man auch dazu sagen, und zwar von der 90er-Jahre-Sorte, recht eigensinnig, aber größtenteils sympathisch. - Es ist schon irgendwie putzig, dass Lemuria bei Bridge Nine Records unter Vertrag stehen.

Lemuria zelebrieren mit ihrem dritten Longplayer „The Distance Is So Big“ förmlich den Reiz am Unperfekten. Wir haben alle schon bessere Sängerinnen und Sänger gehört, als es Sheena Ozzella und Alex Kerns sind. Und wir haben auch schon bessere Aufnahmen gehört. Doch würde das alles nicht zu Lemuria passen, die den Eindruck vermitteln, als wären sie die Gruppe von nebenan, die jeden zweiten Abend in der Garage probt und ihrem bisher größten Auftritt auf dem Stadtfest entgegenfiebert. Natürlich hat es das Trio schon um einiges weiter gebracht, aber diese Fiktion der Band Next Door bleibt trotzdem bestehen.

Dennoch sollte „The Distance Is So Big“ keinesfalls unterschätzt werden, schon gar nicht am Anfang, wenn mit „Brilliant Dancer“ die erste Single und gleichzeitig der stärkste Song des Albums ertönt. Überhaupt sind die schönsten Momente diejenigen, in denen Sheena Ozzella und Alex Kerns im Duett agieren, was glücklicherweise ziemlich oft vorkommt, allerdings nie wieder so wundervoll anmutet wie bei „Brilliant Dancer“. Trotzdem besitzen auch die anderen Stücke einen gewissen Charme, mal durch einen progressiven Einschlag („Oahu, Hawaii“), mal durch außergewöhnliche Textpassagen („Bluffing Statistics“), aber immer durch eine leichte Melancholie.

So gelungen einige Songs sind, die sich aus diesem Rezept ergeben haben („Public Opinion Bath“, „Clay Baby“), so schnell verpuffen wiederum andere und bleiben nicht viel mehr als ein guter Ansatz („Congratulations Sex“, „Paint The Youth“). Es wäre nicht fair, an dieser Stelle Zugeständnisse zum Mainstream zu fordern, aber manche Nummern sind dann doch etwas zu eigen und zu anders, um richtig mitzureißen. Somit kommen Lemuria mit ihrem neuen Werk leider nicht über ein „ganz nett“ hinaus, was allerdings aufgrund des übersichtlichen Bekanntheitsgrades der Band alles andere als dramatisch ist. Die besten Nummern auf „The Distance Is So Big“ haben schließlich wirklich Potential und werden zusammen mit den anderen Perlen ihres Repertoires (z.B. „Pants“ vom Debüt „Get Better“) immerhin für tolle Konzertabende sorgen.

Anspieltipps:

  • Brilliant Dancer
  • Public Opinion Bath
  • Clay Baby

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