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Queensryche Queensryche


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Queensrÿche entschuldigen sich für „Dedicated To Chaos“ und treten Geoff Tate damit mitten in die Weichteile.

Wer in den letzten 1½ Jahren unter einem Stein gelebt hat, mag vielleicht nicht mitbekommen haben, dass es bei den ehemaligen Königen des Progressive Metal gewaltig im Bandgefüge geraschelt hat. Goldkehlchen Geoff hat es jedenfalls nicht mehr ertragen, dass seine übrigen Mitstreiter die Tate-Diktatur gestürzt haben (Geoffs Stieftochter Miranda war für den Fanclub zuständig, seine Frau Susan für das Management), woraufhin er auf der Bühne handgreiflich wurde und mal eben Gitarrist Michael Wilton und Drummer Scott Rockenfield bespuckte. Langer Rede kurzer Sinn: Geoff Tate ist draußen. Da bei einem Gerichtstermin jedoch keine Einigung über die Nutzung des Bandnamens getroffen wurde, dürfen beide Parteien bis zu einer weiteren Anhörung Ende September dieses Jahres Alben unter dem Namen Queensrÿche veröffentlichen oder Konzerte geben.

Als Erster hat der geschasste Tate vor zwei Monaten mit „Frequency Unknown“ (04/2013) vorgelegt und eine formidable Bruchlandung hingelegt, denn nicht nur der Mix bedurfte einer Generalüberholung (Cleopatra Records bot sogar einen kostenlosen Umtausch an), auch die Songs krankten an Einfallslosigkeit und, was noch viel schlimmer war, versammelten vier Neuaufnahmen von „Operation: Mindcrime“ (05/1988) und „Empire“ (ursprünglich 08/1990) die allesamt bemitleidenswerte Klassikerschändungen darstellten, die Geoff wohl auf einer nächtlichen Kneipentour in einer Karaoke-Bar eingesungen hatte. Für die verbliebenen Queensrÿche-Mitglieder Wilton, Parker (Gitarre), Jackson (Bass) und Rockenfield, die sich den Crimson Glory-Sänger Todd La Torre geschnappt hatten, stellte dieser ungenießbare Cocktail aus Vergangenheit und Gegenwart jedenfalls keine wirkliche Kampfansage dar und dementsprechend entspannt gingen sie dann auch ins Studio, um den selbstbetitelten Nachfolger zur ähnlich schlimmen Katastrophe „Dedicated To Chaos“ (06/2011) einzuspielen.

„Queensrÿche“ soll also nicht nur als das nächste Kapitel in der mittlerweile 30 Jahre umspannenden Karriere der Truppe aus Washington fungieren, sondern im gleichen Maße den direkten Vorgänger und das ganze Tohuwabohu um Geoff entschuldigen, was freilich durch Friede, Freude, Eierkuchen-Beteuerungen im Pressetext untermauert wird: „Wir tauchen in das Ganze als Fünf-Personen-Einheit ein und erschaffen die Substanz sowie die gesamte Komposition der Songs, indem wir sie wachsen lassen und gemeinsam aufbauen. Jeder gibt Input. Das legt die Messlatte höher und erweitert unser Spektrum. Es gibt keine Grenzen mehr.“ Nach einer erstaunlich kompakten Laufzeit von 35 Minuten, die allerdings zu keiner Zeit an die Prog-Meisterwerke Ende der 80er-Jahre anschließt oder dies auch nur ansatzweise versucht, ist es der La Torre-Fraktion immerhin gelungen, das grausige „Dedicated To Chaos“ hinter sich zu lassen und Hoffnung in das neue Line-up zu setzen.

Angefangen bei der herrlich oldschooligen Produktion, welche aus den 90ern stammen könnte, über den packenden Auftakt „Where dreams go to die“, der für sich gesehen schon besser ist als der komplette Vorgänger, bis hin zu den kleinen Post Grunge- („Fallout“), Alternative Metal- („Spore“, „In this light“), Hardrock- („Don´t look back“) oder Retro-Prog-Anleihen („Redemption“), über denen stets der Schatten von Fates Warning oder Rush schwebt, sind die neuen Kompositionen im direkten Vergleich zu den anderen Outputs der Marke Queensrÿche in den letzten zwei Jahren eine Offenbarung. Objektiv betrachtet liefert der selbstbetitelte Output mit seiner rückwärtsgewandten Ader zwar absolut keine neuen Impulse und die beiden zwischen Streicheropulenz („A world without“) und kitschiger Emotionalität („Open road“) pendelnden Powerballaden sind bestenfalls als nett gemeinte Abwechslung zu werten, aber für einen Neuanfang nach über einem Vierteljahrhundert geht das solide Material durchaus in Ordnung. „Das Album ist für unsere Fans - wir sind gesegnet, sie zu haben, und sie werden es lieben“, lassen Queensrÿche noch über den mitgelieferten Waschzettel ausrichten. Geoff, daran solltest du dir ganz dringend ein Beispiel nehmen!

Anspieltipps:

  • Fallout
  • In This Light
  • Where Dreams Go To Die

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