Hate Meditation - Scars - Cover
Große Ansicht

Hate Meditation Scars


  • Label: Indie Recordings/EDEL
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die hermetisch abgeriegelten Tore dieses Black Metals werden wohl nur die Wenigsten passieren dürfen...

Blake Judd von Nachtmystium kann auch anders. Während sich seine Hauptband mehr und mehr vom rauen Black Metal entfernte und trotz einer experimentellen Note sogar kommerzielle Erfolge feiern konnte, steckt in dem sich nun Azentrius nennenden Musiker immer noch ein musizierender Dämon. Was in seinen als Projekt gestarteten Hate Meditation steckt und welche Ziele er verfolgt, konnte nach dem psychedelischen Black Metal der jüngeren Vergangenheit aber niemand ahnen. Hate Meditation - die vierköpfige Band aus Chicago macht den Namen zum Programm. Der Hörer bekommt einen komplett uneingängigen, hundsgemeinen Schwarzmetall-Cocktail geboten, den man in einer solch rohen und ungeschliffenen Form heutzutage nur noch äußert selten finden kann und welcher ganz klar Special Interest ist.

Die komplette Zeit über konzentriert sich die Band darauf, die für das Genre essentielle Düsternis in eine konzentrierte, teilweise wirklich meditativ-hypnotische Form zu bringen. „Scars“ zelebriert den Black Metal der 80er-Jahre wie kaum ein anderer Vertreter - auch wenn man das Album in direkter Relation zu diversen Underground-Produktionen sieht. Einen Löwenanteil der Atmosphäre, die Judd und seine Mannen geschaffen haben, ist dabei definitiv der Produktion zuzuschreiben. Diese ist sowohl größter Kritik- als auch Pluspunkt von „Scars“. Der Sound ist so dumpf, verwaschen und generell derart suboptimal abgemischt, dass sich „Scars“ die komplette Zeit über in der Schwebe befindet: Hommage an den Black Metal des letzten Jahrhunderts oder künstliches Produkt, dem eine zeitgemäße Produktion einfach gut getan hätte? Unwirklichkeit und ein Klang, der mit den einzelnen Songs gekoppelt mürbe macht, sollte wohl die Hauptintention der Band gewesen sein. Die psychedelischen Elemente, die man von den aktuellen Nachtmystium kennt, finden sich bei Hate Meditation gar nicht. Selbst Melodien haben keine Chance. Entweder sind sie konsequent in den Hintergrund gemischt, oder punktuell eingesetzt („Staring Into The Abyss“), was modernen Genrevertretern frech den Mittelfinger zeigt. Seine eigene Magie findet „Scars“ mittels des Einsatzes von monotonem Riffing, welches die Birne von so manchem Hörer weich klopfen sollte. Songs wie „The Deceiver And The Believer“, „The Genocide March“ oder „Wrath And Revenge“ brauchen sich in ihrer Konzeption nicht hinter Kompositionen aus den 80er-Jahren verstecken und sind zum Teil sogar noch sehr viel reduzierter und ungeschliffener als diese es jemals waren. Höhepunkt ist der mit zehn Minuten längste (Titel-)Track.

Hier wird stellvertretend für das restliche Material gezeigt, was Hate Mediation vom Hörer wollen. Wer nicht bereit ist, sich auf das Spiel einzulassen, lässt es am besten gleich sein. „Scars“ entfaltet eine unbedingte Dunkelheit, lässt keinen Hoffnungsschimmer durch und hinterlässt besonders hinsichtlich der Monotonie eine durch und durch depressive Grundstimmung. Dadurch erreichen die Black Metaler aus Illinois einen Sound, der für ein Gros des Metal-Publikums voll und ganz ungeeignet sein sollte. Die Produktion, so sehr sie auch Vorteile hat, wird wohl die meisten abschrecken. Vielleicht fast schon zu Recht - auch der gemeine Pandabär von heute muss sich ernsthaft fragen, ob er so was noch braucht bzw. ob eine „Kellerproduktion“ wirklich das Zeug dazu hat, die alten Tage intelligent zu reproduzieren. Steht diese Frage erst mal im Raum, wird es so schnell keine Antwort geben. Die Band duldet keine Kompromisse: love it or hate it. Dennoch ist die Produktion anscheinend eng mit der Identität und den eigenen künstlerischen Ansprüchen der Band verbunden. Wer einen Rohdiamanten sucht, der nicht zwangsläufig zum leuchtendsten Objekt in der Sammlung werden sollte und für die Verarbeitung sehr viel Zeit beanspruchen wird, bekommt mit „Scars“ ein in sich gekehrtes, beinhartes und extrem boshaftes Stück Musik, welches sich die elitäre Grundhaltung des Genres bewahrt hat. Black Metal-Fanatics legen auf die Endwertung gut und gerne Extrapunkte drauf. Alle anderen werden mit der Musik Hate Meditations unter Garantie nicht glücklich.

Anspieltipps:

  • Staring Into The Abyss (End Times)
  • The Genocide March
  • Scars

Diskutiere über „Hate Meditation“
comments powered by Disqus