Filter - The Sun Comes Out Tonight - Cover
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Filter The Sun Comes Out Tonight


  • Label: Wind Up/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Richard Patrick kippt zwar manchmal Weichspüler in den Werkzeugkasten, schafft es aber, die Inspirationslosigkeit der jüngeren Vergangenheit zu vermeiden.

Nachdem das im Jahre 2010 veröffentlichte „The Trouble With Angels“ weiterhin hinter den Erwartungen von Filter-Bandchef Richard Patrick blieb und nicht mal an die relativen Erfolge von „Title Of Record“ (1999) oder „The Amalgamut“ (2002) - immerhin heimsten beide Platin ein - anknüpfen konnte, machte der Nine Inch Nails-Touraushelfer Nägel mit Köpfen. Die gesamte Besetzung des letzten Longplayers wurde kurzerhand gefeuert und nun semi-prominent neu besetzt: Jonathan Radtke (Gitarre, Kill Hannah), Phil Buckman (Bass, im „echten“ Leben Synchronsprecher und Schauspieler), Jeff Friedl (Schlagzeug, A Perfect Circle, Puscifer) und Elias Mallin (Schlagzeug, Kill Hannah, Hollywood Undead, Ke$ha) dürfen nun mitmachen. Auch wenn Filter letzten Endes ein Projekt bleibt, lässt so eine Aktion doch tief blicken. Und ob diese langfristig zu einem Aufwärtstrend führen und dem sechsten Studioalbum den Erfolg bescheren wird, den sich der Herr Patrick wünscht, bleibt abzuwarten.

Dabei ist „The Sun Comes Out Tonight“ eigentlich ganz ordentlich geworden und lässt seinen eher moderaten Vorgänger vergessen. Filter entdecken eine gesunde Härte wieder und verpacken sie oftmals geschickt in einem angenehmen Mix aus pumpenden Industrial- und Elektro-Sounds, die abermals den Leuten gefallen sollten, welche Linkin Parks „Living Things“ (2012) oder „A Thousand Suns“ (2010) tatsächlich mochten. Kurz dazu: Filter haben ihren Stil natürlich gepachtet, sind selbstverständlich sehr nahe an extrem radiofreundlichen Klängen, machen ihr Ding aber sehr viel souveräner und glaubwürdiger. „Watch The Sun Come Out Tonight“, „Self Inflicted“ und „Burn It“ sind somit angenehme Nu-Rocker, während man sich mit „We Hate It When You Get What You Want“ (hat sogar das in den USA so gefürchtete F-Word in den Lyrics, uiuiui) oder „Take That Knife Out Of My Back“ dann wieder etwas mehr traut und einen schmissigen Nu-Metal/Light-Industrial-Hybriden aus dem Hut zaubert. An das gelungene „Title Of Record“ können Filter zwar erneut nicht anknüpfen, allerdings erwartet das nach nunmehr 14 Lenzen auch mittlerweile niemand mehr. Mit unspektakulären Pop-Nümmerchen hält man sich gottlob ein wenig zurück. Was sich Meister Patrick mit „Surprise“, „First You Break It“ und den direkt hintereinander platzierten, belanglosen Airplay-Anbiederungen „It's My Time“ und „It's Just You“ gedacht hat, will keiner wissen.

Ein Druck auf Skip schafft Abhilfe, doch geschmälert wird das eigentlich zackige „The Sun Comes Out Tonight“ durch solche Ärgernisse dann dennoch ein wenig. Das musste doch wirklich nicht sein. Im Großen und Ganzen überwiegen letztlich trotzdem die ganz ordentlichen Kompositionen auf Filters sechstem Streich und halten das Werk über Wasser. Den Oberkracher haben Richard Patrick und seine sich stets ändernde Mannschaft nicht gelandet, die Fans werden sich aber nicht daran stören und müssen das auch gar nicht. Das Projekt baut auf Altbewährtes; manchmal gut, manchmal weniger. „The Sun Comes Out Tonight“ macht seinem Namen deshalb alle Ehre: Es gibt viel Licht und viel Schatten. Letzten Endes dominiert ein solider Eindruck und ein solcher ist ja auch was wert.

Anspieltipps:

  • We Hate It When You Get What You Want
  • Watch The Sun Come Out Tonight
  • Self Inflicted
  • Burn It

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