Neosignal - Raum Und Zeit - Cover
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Neosignal Raum Und Zeit


  • Label: Division/Rough Trade
  • Laufzeit: 65 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Neosignal verpassen es nach einem viel versprechenden Auftakt, ihrer Musik den eigenen Stempel zu verpassen.

Das Hamburger Soundbastel-Duo hat in der Szene 2011 mit seiner Gründung für einigen Wirbel gesorgt. Die beiden Produzenten Florian Harres (Phace) und Michael Bräuninger (Misanthrop) sind durchaus Hausnummern im Geschäft und wissen um mehr als nur eine Schublade der elektronischen Musik. Auf „Zeit und Raum“ soll ihr Gespür sich mit ihrem KnowHow treffen und für atemberaubende Momente auf der Tanzfläche sorgen. Ist die Rechnung so einfach, wie es die beiden Namen erscheinen lassen? Die elektronische Szene ist weit gefächert und strotzt vor großen Namen, sodass die Herausforderung einen eigenen Stil zu etablieren, alles andere als ein Selbstläufer sein dürfte.

Selbstbewusst und mit modernem Dubstep und Kniefällen vor Kraftwerk („Angst“) als wichtigste Waffen eröffnen die zwei Wahl-Hamburger ihr Album mit einem ordentlichen Tempo, knackigen Beats und Melodien, die sofort ins Blut übergehen. Dank der mehrsprachigen Voice-Samples in „Angst“ reißen Neosignal auch mit düsterem Sound die Massen mit. Anstatt wie Deadmau5 und Skrillex auch nach vorne preschende Party-Tracks zu setzen, sorgen Sirenen und bedrohlich wummernde Beats für kühl berechnete Dancefloor-Kracher.

Die Ergebnisse kombinieren oft Einflüsse bekannter Künstler wie der Chemical Brothers und oben genannten Künstlern („Planet Online“), doch nach dem vielseitig kraftvollen, wenngleich nicht unbedingt originellen Auftakt setzt mit dem Titeltrack ein Bruch ein. Die knapp fünfminütige Ruhepause wirkt bereits wie die Ruhe vor dem Sturm und tatsächlich erwartet den Hörer danach ein wahrer Sturm an elektronischer Gewalt. „Kosmos“ ballert gnadenlos aus den Boxen, dass es so einigen eine Freude sein wird, doch in Anbetracht der Tatsache, dass es im Anschluss einfach immer weiter mit der bedrohlichen Note aus den Boxen knallt, hat schnell nichts mehr mit Abwechslung zu tun.

Ohne dass die Musik in ihrer Produktion oder im Stil schlechter (aber auf jeden Fall weniger abwechslungsreich) wird, schleicht sich erstens eine mäßige Routine und zweitens ein sehr starker Fokus auf von Skrillex inspirierte, aber statt belebend und abgedreht eher auf ernst getrimmte Arrangements. Und ohne so melodische geprägte Ausreißer wie der geniale Opener „Sequenz“ oder auch nur energische Crossover wie „Planet Online“ wird es schnell unangenehm stahlgrau und kalt auf den Floors. So hebeln sich Neosignal letztlich gegen Ende selbst aus und es würde keinem auffallen, wenn man plötzlich auf andere Interpreten umsteigt.

Anspieltipps:

  • Kosmos
  • Sequenz
  • Planet Online

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