Minority Sound - The Explorer - Cover
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Minority Sound The Explorer


  • Label: Metalgate/Collectors Mine
  • Laufzeit: 36 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Industrial-Klänge sind bei diesem sphärischen und atmosphärisch dichten Werk nur die Spitze des Eisbergs.

Die Idee, Metal mit elektronischen Sounds zu würzen, ist auch nicht mehr die frischeste. Dennoch ist die Anzahl an Gruppen, die dies auch wirklich interessant und sinnvoll machen, relativ klein. Abhilfe schaffen Minority Sound aus der tschechischen Hauptstadt. Diese sind nicht nur ein weiterer Emporkömmling der momentan sehr umtriebigen und kreativen Metalszene aus unserem Nachbarland, sondern nebenbei noch ein Vertreter des Elektro Metals, von dem sich so manch eine Band etwas abgucken darf. Anstatt Metalcore oder Black Metal mit elektronischen Arrangements zu versüßen, bleiben Minority Sound nämlich auf dem Boden der Tatsachen und liefern mit ihrem Zweitwerk „The Explorer“ ein extrem smoothes und sphärisches Stück Musik ab. Hier überwiegen weder Metal noch Elektro - das Beste aus beiden Welten kommt zusammen!

Auch wenn Minority Sound sich dem Death Metal verschrieben haben, der immer wieder einen Flirt mit Thrash und Doom eingeht, sind auf „The Explorer“ atmosphärische Elektro-Elemente das A und O. Die vier Tschechen nutzen diese nicht einfach als bloßes Beiwerk, sondern präsentieren ihren Sound ganz klar als etwas, was sie selbst Cyber Metal nennen. Surrende und blubbernde Synthesizer, großzügig ausgerollte Elektro-Teppiche sowie klare Ausflüge in Darkwave-Gefilde bilden nicht den Rahmen der acht Tracks, sondern sind ihre absolute Essenz. Diese sind unglaublich eingängig und mit Liebe zum Detail komponiert geworden und leben vorwiegend vom kreativen und abwechslungsreichen Einsatz ihrer elektronischen Ideen. Während „Hostile In Your Skull“, „Load Of Destruction“ und „Fear“ überraschend gemäßigten Melodic Death Metal bieten (die Polen von Atrophia Red Sun lassen grüßen), sieht es bei den restlichen Songs schon ganz anders aus. So leben der Titeltrack oder „Zealots“ von ihrer gespenstisch-melancholischen Atmosphäre und dem Einbetten von Chiptunes (!) und gehen wie auch „Wipe Out The Virus“ und „The End Of All“ in die Industrial Rock Ecke. Das steht Minority Sound sehr viel besser als ein zwanghafter Härtegrad, der von „Nintendocorelern“ wie Horse The Band oder anderen Vertretern beinahe vorgegeben wird. Auch den als „Synth Metal“ titulierten Power Metal der Italiener Synthphonia Suprema kratzt man nicht an - dafür sind Minority Sound zu düster und zu sphärisch.

Die Tschechen schalten generell einen Gang zurück; sie beweisen, dass es auch anders geht und liegen damit goldrichtig. Auf „The Explorer“ ist die aufgebaute Stimmung und eine bisher leider viel zu selten gehörte Harmonie von Metal und elektronischen Klängen der größte ausgespielte Trumpf. Allenfalls sind Elemente des Industrial Rock und Metal die einzigen Konstanten, die Minority Sound klassifizierbar machen. Ansonsten klingen sie wohltuend anders und extrem eigenständig. Anhänger der angesprochenen, bisher noch lange nicht vollständig erschlossenen und ausgereizten Musik, bekommen mit Minority Sound eine Band, die zwar (noch) nicht ein neues Level erreicht hat, aber ihr Ding konsequent wie auch angenehm strukturiert und bodenständig durchzieht. Und das sehr viel interessanter, innovativer und homogener als so mancher Genrekollege.

Anspieltipps:

  • Load Of Destruction
  • The Explorer
  • Zealots
  • Fear
  • The End Of All

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