Shrike - Hinab In Die Vertraute Fremdheit - Cover
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Shrike Hinab In Die Vertraute Fremdheit


  • Label: Metal Promotions
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der etwas andere Black Metal weiß wirklich zu gefallen, die Produktion versaut's aber komplett!

„Black Metal ist weder Krieg noch ein Propagandamittel. Black Metal verändert und stärkt Empfindungen, Emotionen und die subjektive Wahrnehmung auf die innere und äußere (Um-)Welt und verabscheut Herdentriebe.“ Mit diesem zugegeben recht langen Zitat werden die im Jahre 2006 gegründeten Shrike beworben. Noch viel mehr als die Tatsache, dass die fünf Berliner nach einer rekordverdächtig kurzen Zeit ihren ersten Longplayer eingespielt haben, überzeugt das Credo der Gruppe. „Hinab in die vertraute Fremdheit“ - so der Titel des zweiten Studioalbums - legt die Karten auf den Tisch. Für ähnliche Bands scheint das Vorgehen tatsächlich fremd, für Shrike vertraut: Ganz ohne Misanthropie, Hass, Verachtung und Gewaltverherrlichung funktioniert ihr Black Metal. Damit sind Shrike sicherlich nicht die großen Revolutionäre (man denke alleine an den sogenannten Unblack Metal), setzen sich aber von einem Gros der Szene angenehm ab. Selbst auf die beinahe obligatorischen Pseudonyme wird verzichtet. Es sei denn Uwe, Jul, Xaver, Fabi und Moe sind bisher unbekannte Dämonen.

Dafür lässt man sich in puncto Schwarzmetall nicht lumpen. Ihr nun erscheinender Zweitling ist ein wirklich gelungener Happen Black Metal, welcher das Gaspedal selten komplett durchtritt, die Doublebass aber ebenso wenig vergessen will. Neben einem besonderen Hauptaugenmerk auf die Atmosphäre vergisst das Quintett auch nicht die Melodien. Gute Voraussetzungen, doch jetzt kommt das große Aber. Und jenes macht „Hinab in die vertraute Fremdheit“ beinahe ungenießbar. Die Produktion suboptimal zu nennen, wäre eine glatte Untertreibung. Der gemeine Black Metaler ist ja generell abgehärtet was solche betrifft - man denke an Outputs des überaus ausgeprägten Undergrounds, aber auch „Mainstreamiges“ wie das ebenfalls 2013 veröffentlichte „Scars“ von Hate Meditation. Während jene schon gewaltig daran zweifeln lassen, ob die Produktion nun als Stilmittel oder finanzielle Notlösung zu werten ist, treibt es „Hinab in die vertraute Fremdheit“ auf die Spitze. Dumpf, verwaschen und fast ohne Bässe hört sich das Album so an, als hätte man es in 32 Kilobit pro Sekunde konvertiert. Was ist hier passiert? Selbst die eine oder andere Kellerproduktion hört sich besser an. Auch wenn bei einer Band des Genres die Produktion ein eigentlich nebensächliches Kriterium ist, killt diese den Sound von Shrikes zweitem Album. War es Geldnot? Zweifelhaft. Brauchten die Jungs eine Extraportion Authentizität? Wahrscheinlich nicht - das haben sie nämlich gar nicht nötig.

Da die acht Kompositionen durch die Bank wirklich gut sind, ist das besonders schmerzhaft. „Die Dämmerung“ oder „Schmerzen“ beweisen, dass sie interessante Songs schreiben können, die teilweise sogar echtes Ohrwurmpotential besitzen. Und auch technische Finesse wird in „Der Abend“ demonstriert. Auf Härte aus Notwendigkeit verzichtet man konsequent und kann so weitere Nuancen setzen, was Shrike zwar nicht eine Ausnahmestellung beschert, aber genug Potential hat, international aufhorchen zu lassen, sofern ihnen der Erfolg gegönnt ist. Wer deutschsprachigen Black Metal etwas abgewinnen kann und auf das eine oder andere Klischee gerne verzichtet, ist bei den Berlinern an der richtigen Adresse. So ist „Hinab in die vertraute Fremdheit“ ein wirklich guter Genrebeitrag geworden, der extrem unter seiner grottigen Produktion leidet. Schade, wirklich schade.

Anspieltipps:

  • Der Abend
  • Die Dämmerung
  • Der Traum
  • Schmerzen

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