Skillet - Rise - Cover
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Skillet Rise


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das „American Idiot“ für eine neue Teenager-Generation!

Nachdem die 1996 gegründeten Skillet mit ihrem achten Studioalbum „Awake“ endlich den lang angepeilten Erfolg verbuchen konnten, folgt mit „Rise“ die logische Konsequenz. John Cooper, Frontmann, Bassist und Gründungsmitglied der christlichen Rockband, ist wahrscheinlich heute noch ganz baff, dass sein Baby ganz plötzlich mit Platin geadelt wurde. Seine Mitstreiter Seth Morrison (Gitarre), Korey Cooper (Gitarre, Keyboard) und Jen Ledger (Gesang, Schlagzeug) müssen nachlegen, ihren Fankreis weiter ausbauen und darauf achten, dass die alten Fans nicht verloren gehen. Natürlich wollen die je zwei Mädels und Jungs auf dem Erfolg des Vorgängers aufbauen und sind praktisch dazu gezwungen noch eine Schippe drauf zu legen.

Green Day haben ihr „American Idiot“, also legen Skillet munter nach und entdecken den Giganto-Charakter eines Konzeptalbums für sich. Selbst das lyrische Konzept ist ähnlich: Themen wie Coming of Age und Teenage Angst mit all den Ungereimtheiten, Verwirrungen und Schwierigkeiten, peilen ein eher jugendliches Publikum an und sprechen diesem aus der Seele. Warum auch nicht? Immerhin bleibt's aktuell und der Genre-Primus „American Idiot“ ist auch schon neun Jahre alt. Den inflationär benutzten Terminus „Rock Oper“ darf man sich wie so oft getrost sparen. Andererseits ist er auch gar nicht so falsch. Denn was Skillet abliefern, ist waschechter Bombast. Ja, es wird richtig geklotzt. Ob das ausreicht, um dem oft angepeilten Magnum Opus gerecht zu werden oder gar eine echte musikalische Entwicklung durchzumachen, ist allerdings grundsätzlich fragwürdig.

Ein gutes Argument haben Skillet dann aber trotzdem: Ihr „Rise“ ist gut. Verdammt gut sogar. Es macht extrem viel Spaß und deckt mit Power-Pop, zaghaftem Nu-Metal und Alternative Rock sowie Symphonic Rock gleich mehrere Felder ab, die gekonnt miteinander verbunden werden und in dieser Melange extrem kurzweilig und euphorisierend daherkommt. Als Ganzes funktioniert „Rise“ dabei genauso gut wie komplett losgelöst. Die meisten Kompositionen haben zumindest in Ansätzen extreme Radiotauglichkeit, von der zumindest in den Staaten, wo Skillet mittlerweile the shit sind, sicherlich auch Gebrauch gemacht werden wird. Nette, eher unscheinbare Balladen wie „Good To Be Alive“ und „American Noise“ tun keinem weh, bleiben dann aber auch definitiv hinter dem Rest des Materials ein wenig zurück.

Aufhorchen lassen dagegen Snotcore-Bombastfetzen, für die die bereits erwähnten Green Day, aber auch die mittlerweile etwas uninspirierten Sum 41, locker morden würden. Mit dem Opener und gleichzeitigem Titeltrack sowie mit „Sick Of It“, „Not Gonna Die“, „Circus For A Psycho“ und „Madness In Me“ hat man direkt auf der ersten Albumhälfte fünf absolute Killer in der Hinterhand, die den Hörer mit Adrenalin vollpumpen. Hymnenhafter Pop-Punk bekommt hier genauso seinen Platz wie opulenter, orchestraler Rock („Not Gonna Die“, „What I Believe“) oder Hardrock mit nicht zu unterschätzendem Härtegrad („Circus For A Psycho“).

Auf der zweiten Albumhälfte wurden hauptsächlich ruhige und atmosphärische Nummern platziert. Hier wissen besonders die vorwiegend von der 2008 eingestiegenen Jen Ledger getragenen Power-Balladen „Fire And Fury“ und „Salvation“ zu überzeugen. Die Schlagzeugerin und Sängerin erinnert dabei stark an Avril Lavigne - nicht gerade unpassend für diese Art der Musik und vielleicht das, was man als Konsequenz sehen könnte, wenn die Kanadierin ihre damalige Rock-Ausrichtung weiter verfolgt hätte. Generell passt alles auf „Rise“ wirklich gut zusammen. Die Wahl, den neuen Longplayer als fettes Konzeptalbum zu produzieren, war tatsächlich nicht die schlechteste. Die US-Amerikaner beweisen ein durchwegs hohes Niveau und dass ihnen der Erfolg tatsächlich Recht gibt. „Rise“ - das ist großartig eingespielter, gehärteter Pop mit Herz und gehörigem Abgehpotential. Dies sollte nicht nur einem rein jugendlichen Publikum, sondern auch jung gebliebenen Anhängern der Nu-Rock und Pop-Punk-Hochphase von vor gut einem Jahrzehnt gefallen. Den vier Musikern sei der Erfolg deshalb unbedingt gegönnt!

Anspieltipps:

  • Rise
  • Sick Of It
  • Not Gonna Die
  • Circus For A Psycho
  • Salvation
  • What I Believe

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