TesseracT - Altered State - Cover
Große Ansicht

TesseracT Altered State


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wissenschaftliche Abhandlungen als Entschuldigung für fehlende Kreativität.

TesseracT muss wohl die anspruchsvollste Band auf Erden sein, zumindest wenn es um den Gesang geht. Anders lässt sich nicht erklären, warum die aus Alec Kahney (Gitarre), James Monteith (Gitarre), Amos Williams (Bass) und Jamie Postones (Schlagzeug) bestehende Truppe mit Ashe O´Hara bereits den fünften Mikrophonschwinger in neun Jahren ins Studio gebeten hat. Da die angenehme und recht helle Klangfarbe des Neuzugangs ein wenig an Joey Eppard von 3 erinnert, fällt die Umstellung auf ein frisches Gesangstalent zumindest etwas leichter, obwohl O´Hara inmitten der bassbetonten Abmischung wenig zu melden hat und seinen Job als säuselnde Elfe souverän erfüllt, dabei jedoch auch keine Bäume ausreißt bzw. ausreißen darf. Wir erinnern uns, auf „One“ (03/2011) durfte Daniel Tompkins noch richtig schreien und auch sein Nachfolger Elliot Coleman hatte bei den akustischen Stücken auf der „Perspective EP“ (05/2012) eine tragende Rolle inne.

Auf „Altered State“ ist aber ohnehin alles anders und wer sich fragt, was es mit den seltsamen Titeln auf sich hat, der darf sich folgende Erklärung der Band zu Gemüte führen: „Eine unserer Musen ist die Wissenschaft. Eins ihrer Gesetze, das sich 'Erhaltungssatz' nennt, besagt, dass in einem abgeschlossenen System Energie konserviert wird und nicht verloren geht. Sie wechselt einfach nur von einem Zustand in den anderen. Die vier Bewegungen von 'Altered State' - Of Matter, Of Mind, Of Reality, Of Energy - sind einfache Gedanken über diese unterschiedlichen Abschnitte des Wandels, sowohl auf persönlicher Mikroebene unseres Alltags, als auch auf einer universellen Makroebene der Dinge.“ Alles klar? Dann weiter! TesseracT erfinden sich auf ihrem Zweitwerk nicht grundlegend neu, aber sie verzichten weitgehend auf einen herkömmlichen Erzählfluss oder mit anderen Worten ausgedrückt: Sie lassen den Hörer in jeder Sekunde spüren, dass er ein Werk aus der Gattung Djent in Händen hält.

Diese Fokussierung muss per se nichts Schlechtes sein, doch wenn eine sorgsam aufgebaute Stimmung von den stilgebenden Stakkatoriffs zerpflückt wird und abgesehen von ein paar an Tool angelehnten Riffs („Of mind - exile“) nur noch der Kurzauftritt eines 80er-Jahre Saxophons für Abwechslung sorgt („Of reality - calabi-yau“, „Of energy - embers“), dann stellt sich berechtigterweise die Frage, wieso mehr als eine Dreiviertelstunde an dieselbe wiederkehrende Formel verschwendet wird, wenn der ganze Hokuspokus auch in der Hälfte der Zeit seine Wirkung erfüllt hätte - oder sind prätentiöse Dynamikspielchen mit massenhaft Leerlauf seit Neuestem ein stilbildendes Kriterium im Djent? Die Fanboys werden diesen überbordenden Riffsalat mit aller Wahrscheinlichkeit als die Rettung des Metal abfeiern, Gourmets legen lieber ein weiteres Mal „One“ in den CD-Player oder suchen nach spannenderen Alternativen. Diese dürften aktuell ohnehin nicht sehr schwierig zu finden sein.

Anspieltipps:

  • Of Matter - Resist
  • Of Reality - Calabi-Yau

Neue Kritiken im Genre „Progressive Metal“
6/10

Shehili
  • 2019    
Diskutiere über „TesseracT“
comments powered by Disqus