Guy Clark - My Favourite Picture Of You - Cover
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Guy Clark My Favourite Picture Of You


  • Label: Dualtone/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zurück zu dem, was wirklich zählt: Melodien und Geschichten, getragen von einer unverkennbar rauen Stimme.

Guy Clark gehört wahrlich zu den alten Hasen im Geschäft, hat er doch seit Veröffentlichung seines letzten Albums die 70er-Grenze überschritten. Das bedeutet zum einen, dass Menschen seine Musik hören, die ihn schon seit Ewigkeiten kennen. Zum anderen bedeutet es, dass es Menschen gibt, die von ihm noch nie gehört haben, ganz einfach, weil sie zu jung sind. Die erste Gruppe der Hörer wird sich längst eine Meinung gebildet haben, eventuell Vergleiche zu alten Alben ziehen. Die zweite Gruppe kann das nicht - gehen wir das Ganze also von deren Standpunkt aus an.

Hört man Guy Clark zum ersten Mal - und davon gehen wir ab sofort aus, fallen einem als erstes vermutlich nicht seine beruhigende Art zu singen, die im Hintergrund plätschernde Gitarre oder die eingehenden, aber wenig aufdringlichen Melodien auf. Diese Besonderheiten bahnen sich erst nach ein paar Minuten in den Vordergrund des Bewusstseins. Was einem jedoch sofort auffällt, ist Clarks raue, beeindruckende Stimme, die dem Texaner die Ausdrucksstärke eines waschechten Cowboys verleiht.

Mit dieser Stimme singt er Lieder, die für den erstmaligen Hörer einen absoluten Kontrast zum Radiogeplänkel unseres Jahrzehntes darstellen dürften. Während es in der Country-Szene durchaus üblich ist, die Lieder einer gewissen Storyline folgen zu lassen, anstatt den Refrain auch in der Strophe einzubauen, geht Clark noch etwas weiter. Er erzählt Geschichten. Geschichten mit Metaphern, Geschichten von Menschen, die man nach Hören seiner Songs, zu kennen scheint. Der Song „My favorite picture of you“ zum Beispiel, dem Album gleichnamig, erzählt seine Beziehung zu einer Frau nach. Diese Frau ist Clarks verstorbene Ehepartnerin. Etwas, das jemand, der Guy Clark nicht kennt, nicht wissen, aber sicherlich spüren kann.

Tiefgründig, ohne dramatisch zu werden („Heroes“), ruhig, ohne traurig zu sein („The high price of inspiration“), verwickelt er den Hörer in eine 40-minütige, emotionale Abhängigkeit, denn wenn man einmal angefangen hat, will man kaum wieder aufhören. Die englische Redewendung „Back to the roots“ hat selten so gut gepasst, wie hier. Fernab allen Trubels scheint man sich zu bewegen, hört man sich „My favorite picture of you“ an. Clark schreibt keine Hits, keine Ohrwürmer. Er schreibt Geschichten, die Melodien haben, die einen innerlich nach Texas, in die grenzenlose Weite und Natur entführen können. Wer ihn nicht kennt, aber ein bisschen auf Country steht, sollte ihn schnellstens kennenlernen.

Anspieltipps:

  • My favorite picture of you
  • Hell bent on a heartache
  • Rain in durango
  • The death of Sis Draper

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