Tarja - Colours In The Dark - Cover
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Tarja Colours In The Dark


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Farbenrausch: „Colours In The Dark“ entführt in neue Klangwelten.

Sie gehört zu den Ikonen der Szene. Ihre Stimme setzte die Messlatte für die Sängerinnen in Melodic- und Symphonic Metal-Bands hoch und ihre Zeit bei Nightwish prägte den Weg der Band so stark, dass ihre Nachfolgerin ihre Fußstapfen nie ganz füllen konnte. Sie ist in der Klassik verwurzelt und doch möchte niemand sie in der Metal-Szene missen. Die Rede ist natürlich von Tarja Turunen. Mit ihrem Debüt „My Winter Storm“ (11/2007) zeigte sich uns eine Sängerin auf der Neufindung, die sich mit ihrem zweiten Longplayer „What Lies Beneath“ (09/2010) in neue Höhen sang. Das Live-Album „Act I“ (08/2012) griff diese Stärken auf und brachte beeindruckenden Live-Sound in heimische Wohnzimmer. Nun liegt der dritte Longplayer vor, der erneut die Pfade der Suche aufgreift.

Mit Tim Palmer hat Tarja dafür einen großen Namen für Mix und Mastering gewonnen. Neben der Mitarbeit am letzten Studioalbum ist der Brite unter anderem für seine Arbeit mit Mark Knopfler, Ozzy Osbourne, Porcupine Tree oder HIM bekannt. Ein Blick auf das Cover lässt an die in Deutschland so beliebt gewordenen Holi Feste denken, die auf indischer Tradition basieren und Farbe in die feierwütige, begeisterte Menge bringen. Entsprechend passend gewählt ist auch der Titel „Colours In The Dark“. Der neue Silberling ist ein Experiment, der Versuch, Farbe in das klischeebehaftete Schwarz der Rock- und Metal-Szene zu bringen. So nutzt sie unterschiedliche Elemente verschiedener Genres, um mit ihnen gezielte Farbakzente zu setzen. Klingt schwierig, ist es ehrlich gesagt auch.

Das Intro und die Strophen von „Victim Of Ritual“ sind zum Beispiel einem Orchesterarrangement bestimmt, das ebenso eine tragische Kriegsoper eröffnen könnte. Dabei sticht Ravels „Bolereo“ deutlich aus der Melodie hervor. Erst der Refrain, in dem die Sängerin ihre Artikulation fast schon überspitzt, bringt die Rockelemente ins Spiel. „500 Letters“ spielt mit Sitharklängen und schafft es tatsächlich, die Balance zwischen vertrautem Sound und frischen Elementen zu finden. Nach geringer Effekthascherei in den Instrumentalstellen und einer ansonsten durchaus stimmigen Ballade („Lucid Dreamer“), dreht „Never Enough“ wieder auf. Vor allem das Outro wird jedoch leider zum anstrengenden Klangbrei statt zum schönen Klanggemälde. „Mystic Voyage“ erinnert in seinen Wurzeln und Klangteppichen ebenfalls wieder an das ferne Indien, das mit kleinen Details aus sonst eher sanfter Instrumentierung hervorsticht. Die Vocals sind ein mehrsprachiges Kunstwerk, in dem Tarja fließend zwischen Englisch und Portugiesisch wechselt. Vor allem das mit Meeresrauschen verwobene Ende des Songs, treibt den Hörer auf die gewünschte mystische Reise - klasse!

Die Effekte, die „Darkness“ begleiten, sind dagegen schon wieder schwieriger einzuschätzen. Sie lassen sich nicht richtig definieren und selbst beim Versuch auch nicht richtig im Zusammenhang mit dem Titel begreifen. Momente, in denen Tarjas Stimme verzerrt wird, tragen ebenfalls nicht gerade zu Begeisterung bei. „Deliverance“ gibt dem Hörer dagegen eine typische Ballade, ganz wie man sie von der Sängerin gewohnt ist. Lange Melodiebögen und eine gehörige Portion Gefühl, die sich vor allem im Gesang auffinden, sorgen für Vertrautheit. „Neverlight“ überzeugt zwar mit starken Gitarrenriffen, kann aber durch die Gesangseffekte nicht weiter punkten. Synthesizerbeats in „Until Silence“ bringen dagegen erstaunlich gute Effekte, die nur durch das Gefühl einer zerkratzten CD und einen abrupten Abbruch deutlich geschmälert werden. „Medusa“ lässt den Silberling schließlich noch einmal orientalisch anmutend ausklingen, schafft es aber mit über acht Minuten Spielzeit und langen Instrumentalparts nicht, die gemischten Gefühle zu beseitigen, die der vorliegende Longplayer auslöst.

„Colours In The Dark“ ist kein einfaches Stück Musik. Irgendwo steckt in jedem Song ein wenig vertrautes Klangbild, wie man es von Tarja gewohnt ist. Die neuen Effekte sind durchaus interessant, schaffen es aber nicht, die Titel wirklich voran zu treiben. Ergriffenheit und Ohrwurmmomente bleiben aus und lassen sich auch nach mehrfachem Hören nicht finden.

Anspieltipps:

  • 500 Letters
  • Mystic Voyage
  • Deliverance
  • Until Silence

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