Helge Schneider - Sommer, Sonne, Kaktus! - Cover
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Helge Schneider Sommer, Sonne, Kaktus!


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? 6½ Jahre nach seinem letzten Musikalbum meldet sich 00 Schneider zurück!

Schier unglaubliche 6½ Jahre nach seinem letzten regulären Musikalbum „I Brake Together“ (01/2007) und nur wenige Monate vor seinem neuesten Kinofilm „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“, legt Deutschlands Kult-Komiker Nummer eins und ausgewiesener Jazz-Virtuose, Helge Schneider (57), endlich wieder neue Musik vor. Das wurde aber auch Zeit! Denn immer nur (zweifelsfrei kultige) Hörbücher zu veröffentlichen, ist nicht der Weisheit letzter Schluss!

Auf „Sommer, Sonne, Kaktus!“, so der Titel des musikalischen Comebacks, ist alles, aber auch wirklich alles aus einer Hand. Aus Helges Hand! Er singt (natürlich!) und spielt Klavier, Akkordeon, Saxophon, Bass, Schlagzeug, Orgel, Rassel, Blockflöte, Bongo und kümmert sich um Tontechnik und Produktion. Unser Mann aus Mühlheim an der Ruhr, der seine neuen Songs ganz entspannt in seinem Haus in Spanien gedeihen ließ und um musikalischen Beifang in Form der Coverversionen von Cole Porters „Love for sale”, George Gershwins „It ain‘t necessarily so”, Jeff Walkers „Mr. Bojangles” und den von (u.a.) Judy Garland gesungenen Welthit „Somewhere over the rainbow” in seiner unnachahmlichen Art ergänzte, ist also wieder voll in seinem Element.

Los geht es mit dem auf „Helge-Denglisch“ gesungenen Titeltrack, der sich als erste Singleauskopplung als überraschender Radiohit entpuppte, auch wenn das Stück etwas zu sehr nach bewusster Kalkulation klingt. Aber man muss ja auch mal Geld verdienen. Und Helge hat es leider nötig. Schließlich hat er Läuse. Und das ist nicht gut! Richtig gut ist dagegen Helges komplett abgefahrener Gangnam-Style-Blues „Nachtigall, huh (es zittert unser Haus, was ist nur draußen los?)“, in dem Schneider den südkoreanischen HipHopper PSY über die Klinge springen lässt.

„Offenes Hemd“ ist der tiefenentspannte Tribut an die Urlaubsliebe Jutta („Juttilein“) und an das Gefühl der Freiheit, während „Mr. Bojangles” (auch bekannt in der Version von Robbie Williams) in einer „Sänger ohne Gebiss“-Darbietung fast zu Tränen rührt. Zum Glück ist der Mann privat versichert, sonst wäre diese Fresse nicht mehr zu retten! Keine Not tat das überraschend unspektakuläre „Somewhere over the rainbow”-Cover, dafür ist Helges „Drinking blues“ im Stiles von Tom Waits wieder herrlich schräg und dürfte wirklich jedem an die Leber, äh, Nieren gehen.

„Love for sale“ und „Catwalk Melodie“ bekommen eine coole Saxophon- und Orgel- bzw. Klavierschlagseite, „Scrubble di Bubble“ wirkt wie eine freie Improvisation auf der Orgel, ergänzt um etwas Schlagzeug und Bass, „I’m coming from the USA“ nimmt kurz vor Ende noch einmal das „Helge-Denglisch“ im Louis-Armstrong-Stile auf und das finale „It ain‘t necessarily so” wird wieder von dem Mann ohne Gebiss gesungen, bzw. wie von einem getretenen Hund geheult.

Fazit: Auf „Sommer, Sonne, Kaktus!“ ist Helge Schneider weniger der abgedrehte Komödiant, der jedem noch so kleinen Gag nachstellt, sondern ein Jazz-Musiker, der sich den einen oder anderen schrägen Scherz am Rande des guten Geschmacks erlaubt und damit unerwartet unspektakulär seine Kreise zieht. So bleiben auf diesem Album echte Lacher und der ganz große Kult aus, jedoch ist Helge Schneider so vielseitig, dass sich jeder genau „seinen“ Schneider holen kann: Live, als Buchautor, Filmemacher, Komödiant und Musiker.

Anspieltipps:

  • Mr. Bojangles
  • Offenes Hemd
  • It ain’t necessarily so
  • Sommer, Sonne, Kaktus!
  • Nachtigall, huh (es zittert unser Haus, was ist nur draußen los?)

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