O Emperor - Vitreous - Cover
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O Emperor Vitreous


  • Label: K&F Records/Broken Silence
  • Laufzeit: 30 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

O Emperor reisen zurück in die Vergangenheit, um den Klang ihrer Zukunft besser definieren zu können.

Die guten Nachrichten zuerst. „Vitreos“ ist eine Steigerung zum Debüt „Hither Thither“. Die weder tief bewegenden, noch einprägsamen Balladen sind nahezu ausnahmslos ein Relikt der Vergangenheit geworden. Dazu bedienen sich die fünf Iren in geradezu dreister Weise bei The Beatles' „Seargent Pepper's Lonely Hearts Club“ und The Beach Boys' „Pet Sounds“, um ihren eigenen Klang zu fokussieren. Solche Quellen sorgen zwar nicht nur für Lobeshymnen, doch die entstandene Abwechslung gehört definitiv zu den Pluspunkten des Zweitwerks.

Die Tugend der durchgängig eher kurz gehaltenen Stücke wird ebenfalls genutzt, was ein flüssiges Erlebnis bieten soll. Wo die besagten Vorbilder allerdings Hit an Hit reihten, kann das irische Quintett nur mit netten Einfällen prahlen. Nach der offensichtlichen Hommage „Grandmother Mountain“ mitsamt orchestralem Flair, muss man sich danach mit Percussions („Holy Fool“) und Synthesizern („Whitener (Part 1)“) zufrieden geben. Dabei wird stets artig darauf geachtet, dass Chöre, Keyboard und Co. auch immer ja wie in den frühen Siebzigern klingen. Die Illusion der alten Helden soll scheinbar nicht zerstört werden.

Ganz klar ist zu sagen, dass man ob der übers Album verteilten Abwechslung schon mal den Hut ziehen muss. Nicht viele Bands trauen sich an die alten Größen heran und treffen dabei die Töne größtenteils richtig. Bis auf die Neu-New-York-Garage-Rock-Nummer „Contact“ und die Folk-Rock-Hymne „This Is It“ gelingt die Zeitreise nämlich sehr gut. Leider ist der richtige Ton noch nicht so wertvoll wie die richtige Aneinanderreihung der Stücke. Die Intermezzi „Brainchild“ und „Minuet“ hinterlassen bei aller Verspieltheit im Detail keinen Eindruck. Wenig überraschend wollen nur die offensichtlichen Nachahmungen „Grandmother Mountain“ und „Land Of The Living“ zumindest im Hinterkopf bleiben.

Ganz auf sich allein gestellt, können diese beiden starken Nummern allerdings nicht über ein insgesamt solides und künstlerisch löbliches Projekt hinwegtäuschen. Zu oft verlaufen die Lieder noch im Sand und finden keinen passenden Schluss (das gilt übrigens auch für die hervorgehobenen Nummern des Albums). Solange der irische Fünfer jedoch nicht zurück zu den uninspirierten Balladen wie der Ausnahme „Soft In The Head“ zurückkehrt, bleibt zumindest abzuwarten, inwiefern O Emperor ihre musikalischen Vorlieben in Songs verpacken. Die Vorbilder sind da und werden teilweise schon recht gut kopiert. Jetzt liegt es daran, endlich eigene Töne zu finden, zu treffen und richtig zu arrangieren.

Anspieltipps:

  • Grandmother Mountain
  • This Is It
  • Land Of The Living

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