Kanye West - Yeezus - Cover
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Kanye West Yeezus


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Crazy Shit: Kanye West ist zusammen mit Daft Punk und Rick Rubin auf dem Elektro-Trip.

Wenn jemand wissen könnte, wie man den amerikanischen HipHop/Rap aus seiner latenten Lethargie reißt, dann der nicht gerade unumstrittene 21-malige Grammy-Gewinner Kanye West (36), der nie um einen gezielten Skandal, eine peinliche Pose oder einen arroganten Slogan verlegen ist und dem man noch nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand einen Hang zum Größenwahn nachsagt.

Eben dieser Kanye West bläst nun mit seinem sechsten offiziellen Album „Yeezus“, das ohne Covermotiv und Booklet auskommen muss (Frage: Ist das noch cool oder einfach nur scheiße?), zum Gegenangriff mit einem avantgardistischen Clash aus aggressiver Elektro-Musik, schroffen HipHop-Beats, bündelweise Loops und verstörend-verfremdeten Synthie-Klanglandschaften. Diese ließ sich Kanye West am Mischpult von Kult-Produzent Rick Rubin und den Franzosen von Daft Punk in Studiotempeln in Paris, New York und Malibu zusammenfrickeln.

Sieht man einmal davon ab, dass sich die lyrischen Ergüsse des 36-Jährigen trotz des musikalischen Neulands auch auf „Yeezus“ nicht gerade weit von Wests üblichen Rap-Klischeewelten wegbewegen und Stargäste wie Frank Ocean, King L und Kid Cudi ebenfalls total unverdächtig erscheinen, ist dieses Werk von der ersten bis zur letzten Minute der Ausdruck von ungehinderter Großmannsucht, aber auch von kindlichem Entdeckerdrang und der Freude am Ausprobieren.

HipHop/Rap-Puristen werden sich angesichts der elektronisch kalten Soundscapes auf „Yeezus“ (ein Paradebeispiel dafür ist „Send it up“) womöglich mit Grausen abwenden. Doch Kanye West betreibt seine diabolische Dekonstruktion des HipHop mit Hingabe und Konsequenz und lässt auf diese Weise so manche Elektro-Combo in Titeln wie „On sight“, „New slaves“ oder „I am god“ ganz schön alt aussehen. Bei diesem Spektakel hat Langeweile keine Chance, sodass ein oder zwei schwächere Track verziehen werden können. Denn unterm Strich es ist besser, wenn mal ein einzelner Song an die Wand gefahren wird, als dass ein ganzes Album in lähmender Eintönigkeit erstickt.

Anspieltipps:

  • Bound 2
  • On sight
  • Hold my liquer
  • Black skinhead

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