Powerwolf - Preachers Of The Night - Cover
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Powerwolf Preachers Of The Night


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Blutleere Rückkehr in eine der einzigartigsten Sakristeien des Power Metal.

Attila Dorn (Gesang), Matthew (Gitarre) und Charles Greywolf (Gitarre, Bass), Falk Maria Schlegel (Orgel Keyboard) und Roel van Helden (Schlagzeug) haben sich über die Jahre einen Ruf erspielt, der über die gewöhnlichen Vorzüge anderer Bands hinaus geht, denn Powerwolf ist nicht einfach eine weitere Power Metal-Band, die ihre Instrumente beherrscht, ab und an ein nettes Solo vorzeigt und mitgrölfähige Texte für die Konzerthallen und Festivalbühnen dieser Erde beherbergt, sondern eine unvergleichliche Rampensau, die den perfekten Mittelweg zwischen Ernsthaftigkeit und Humor gefunden hat und diesen in einer Art und Weise auslebt, die es seit den großen Progressive Rock-Opern vergangener Jahrzehnte nicht mehr gegeben hat.

Der spirituelle Ansatz des deutschen Ausnahme-Acts wird dabei nicht nur zum Symbol für Identität und Ironie, sondern transportiert auch eine Message von Aufrichtigkeit und Toleranz, sodass man sich allein nach den ersten Takten des Openers „Amen & attack“ wie etwas ganz Besonderes fühlt. Orgelklänge, bombastische Chöre und dunkle Schatten in einer verfallenen Kirchenruine sind einige der wichtigsten Zutaten für Powerwolf, während die Texte neben Englisch auch schon mal in Deutsch oder Latein mit einer unvergleichlichen Ruhe und Bestimmtheit von Sänger Attila vorgetragen werden. Mit „Preachers Of The Night“ laden Dorn & Co. nun bereits zum fünften Mal in ihren Mikrokosmos ein, doch der Zauber der Anfangswerke wird wie schon beim Vorgänger „Blood Of The Saints“ (07/2011) schmerzlich vermisst und den geneigten Käufer erwartet nicht mehr als ein simpler Aufguss abgestandenen Weihwassers.

Mit dem flotten Kracher „Secrets of the sacristy“, der stimmungsvoll abgehaltenen, metallischen Messe „Kreuzfeuer“ und der klassischen, wie temporeichen Salbung „Lust for blood“ sind dieses Jahr die Höhepunkte zudem schneller als sonst abgehakt, da die restlichen Kompositionen kaum zum Erforschen einladen oder mit wirklichen Geistesblitzen geizen. Schließlich ist die Formel für einen standesgemäßen Powerwolf-Track seit Jahren die gleiche und eine Kirchenorgel im knalligen Power Metal-Gewand zu hören, keine Überraschung mehr. „Coleus sanctus“, „In the name of god (Deus vult)“ und „Extatum et oratum“ mäandern demzufolge gerade einmal unaufgeregt in Endlosschleife vor sich hin, „Nochnoi dozor“ und „Sacred & wild“ gewinnen als herkömmliche Midtempo-Stampfer keine Innovationspreise und „Cardinal sin“ rauscht durchaus ansehnlich durch die Botanik, hätte aber mehr als nur eine adrenalingetränkte Stola benötigt, um den Klingelbeutel zu füllen.

Den Vogel schießt der Fünfer aber mit der unerwartet langen Schlussnummer „Last of the living dead“ ab, die auf dem Papier beinahe stolze acht Minuten aufweist, im Kern jedoch nicht mehr als eine schunkelige Angelegenheit mittleren Tempos ist, welche die Hälfte der Zeit mit einer Klangkulisse aus Regen und Wolfsgeheul bestückt wurde. Kreativität hört sich jedenfalls anders an. So bleibt es wie schon beim Vorgänger: Wer ein Faible für die sakral angehauchte Welt der Wölfe hat, der soll keine Kosten und Mühen scheuen und sich „Preachers Of The Night“ holen, darf sich aber nicht wundern, wenn die musikalische Entwicklung völlig auf der Strecke geblieben ist.

Anspieltipps:

  • Kreuzfeuer
  • Lust For Blood
  • Secrets Of The Sacristy

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