Marathonmann - Holzschwert - Cover
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Marathonmann Holzschwert


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

In Trotz und Melancholie badender Mischling aus Sportfreunde Stiller und At The Drive-In.

Eine Google-Suche nach Marathonmann führt zuallererst zu John Schlesingers paranoidem Spionagethriller von 1976 mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle. Nun, „Holzschwert“, das Debüt von Michael Lettner (Gesang, Bass), Tom Fischer (Gitarre) sowie Robin (Gitarre) und Marcel Konhäuser (Schlagzeug), handelt zwar nicht von ähnlichen Ereignissen oder teilt denselben brutalen Härtegrad, doch schon nach der Hälfte wünscht man sich, der Vierer würde sich ein Beispiel an der Kompromisslosigkeit seines Namensvetters nehmen und endlich die Krallen ausfahren. Doch auf die Wende wartet man leider vergeblich.

Das Problem an „Holzschwert“ ist aber nicht seine Andersartigkeit zu einem der erfolgreichsten Filme der 70er-Jahre, sondern die Unentschlossenheit, die das Material mit sich bringt. Zum einen wäre da die heisere und aufgekratzt klingende Stimme von Michael, der dadurch viel Verzweiflung transportiert und dem man nur allzu gerne ein Taschentuch reichen oder eine Umarmung spendieren möchte. Allerdings nervt das Dauergejammer nach einigen Songs doch sehr und man wünscht sich nichts sehnlicher als einen herzhaften Schreianfall oder sanften Klargesang. Zum anderen trommelt Schlagwerker Marcel auf seinen Fellen herum, als würde er sich erst langsam an sein Instrument herantasten, weil er Angst hat, etwas kaputt zu machen. Verdammt, geht doch einfach ein bisschen aus euch heraus, Jungs!

Natürlich merkt man Marathonmann an, dass sie erst am Anfang ihrer Karriere stehen und das vorhandene Potential zeigt sich bereits in solch mitreißenden Hymnen wie „Wir sind immer noch hier“ oder dem melancholisch in Geschichten schwelgenden Titeltrack, aber wie man ein klaustrophobisch angelegtes Setting wie „Grabräuber“ musikalisch perfekt, gesanglich jedoch viel zu zaghaft umsetzen kann, bleibt ein Rätsel. Nach mehreren Umdrehungen überwiegt jedenfalls das Gefühl, der Vierer weiß noch nicht so recht, ob er bockigen Post Hardcore Marke At The Drive-In und Konsorten, oder eine härtere, emotional aufgeladene Variante von Bakkushan und Sportfreunde Stiller spielen will. Darüber sollten sich die Jungs einmal klar werden, denn sonst vergeuden sie unnötig gute bis hervorragende Songideen an eine halbgare Umsetzung.

Anspieltipps:

  • Holzschwert
  • Wir sind immer noch hier

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