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Extol Extol


  • Label: Indie Recordings
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht nur ein Geheimtipp für Death-Progger, sondern auch endlich wieder christlicher Metal, der Akzente setzen kann.

Christlichen Metal gibt es wie Sand am Meer, auch wenn sich die Szene bis auf einige Ausnahmen eher im eigenen, exklusiven Untergrund abspielt. Allenfalls christlicher Rock kann in den Staaten noch große kommerzielle Erfolge feiern und wird, sofern er auch in unsere Breiten angespült kommt, oftmals nichtmal als ein solcher erkannt. Aber nach Helden, Genregrößen und Pionieren des „White Metal“ kam leider nicht mehr so viel. Zwar veröffentlicht das Label Christian Music Sweden (ehemals Rivel Records) immer wieder Material in inzestuösen Dimensionen, hat seine Flaggschiffe jedoch bereits versenkt. Narnia? Aufgelöst. Divinefire? Aufgelöst. Savior Machine? Haben seit „Legend III:I“ (2001) nichts mehr veröffentlicht. Auch wenn Festivals wie das Blast Of Eternity (Deutschland) oder Elements Of Rock (Schweiz) recht gut besucht sind, scheint es fast als habe der christliche Metal seinen Zenit – sollte er je einen gehabt haben – längst überschritten. Das ist schade, da sich einige erstklassige Combos den weißen Metal auf die Fahne geschrieben haben. Extol zum Beispiel.

Die Norweger fingen 1993 an und blieben sich zumindest was die christliche Botschaft betrifft treu. Dabei bleibt der Holzhammer zu Hause und der mahnende Zeigefinger in der Hosentasche – im Gegensatz zu einem Musiker wie Carl Johan Grimmark verpackt man christliche Botschaften, egal ob nun in den Lyrics oder was die komplette Ästhetik betrifft, recht subtil. Keine schlechte Idee, wenn man über die Zielgruppe hinaus ansprechen will. Musikalisch machten Extol eine recht weite Reise und verteilte den Fans auf vier Longplayern seine Souvenirs. Von technischem Death Metal über Prog, Thrash bis hin zum Alternative Rock hatten die nun aus Peter Espevoll (Gesang), Ole Børud (Gitarre, Bass, Mellotron, Gesang) und David Husvik (Schlagzeug, Gesang) bestehende Band einiges in Petto. Ironischerweise haben die aus Florida stammenden Atheist eine ganz ähnliche Entwicklung durchgemacht – den Querverweis zu dieser überaus empfehlenswerten Kombo mit dem im Kontext des White Metals unpassenden Namen, konnte sich der Rezensent dann auch nicht nehmen lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Extol beweisen, dass sie ihren eigenen Sound durchaus gefunden haben und bescheren der White-Metal-Szene eine ordentliche Portion Qualität und Frische. Der fünfte Longplayer, welcher schlicht und ergreifend selbst betitelt wurde, bezeugt die lange stilistische Entwicklung der Norweger.

Schubladendenkern wird es schwer gemacht. Growls, Knüppeleien und abruptes Wechsel des Tempos sprechen die starke Sprache des Death Metal und gestalten die gute Dreiviertelstunde recht zackig und brachial. Ein recht moderner Prog Metal liefert ausreichend Kontraste und nimmt auf „Extol“ letzendlich den Löwenanteil ein. Hier ein wenig Riverside („Dawn Of Redemption“), da eine Prise Anathema („Faltering Moves“) und alles mit einem Schuss Watchtower („Betrayal“, „Behold The Sun“) technisch-virtuos abrunden – fertig! Abwechslungsreichtum und Liebe zum Detail werden dabei groß geschrieben. Das Trio besteht aus gleich drei Sängern, was „Extol“ besonders auf gesanglicher Ebene äußerst interessant macht. Während die Growls weitgehend die Dominanz an sich reißen, weiß man mit cleanem Gesang durchaus Akzente zu setzen und scheut sich auch nicht davor z.B. im Titeltrack solchen mit Blastbeats zu kombinieren. Opeth ab ihrer „Watershed“-Phase lassen grüßen.

Ähnlich komplex wie die diversen beschriebenen Stimmungen hört sich „Extol“ schließlich auch an. Die zehn auf die Langrille gepackten Kompositionen sind extrem schwer zu erfassen und werden allenfalls Genre-Experten etwas geben können. Dieses Album ist definitiv nichts für Zwischendurch und wird sich erst nach und nach erschließen – ob damit der gute Ton eines Prog-Releases getroffen wird, ist schwer zu sagen, da es auch komplexe Werke gibt, die direkt zünden. Falsch machen die drei Herren dann aber auch nichts. Man vermeidet es in Djent- oder Shred-Sphären zu rutschen und baut auf waschechte Grower, die nach und nach ihre Qualitäten offenbaren. Wer sich daher Zeit nimmt, bekommt hier ein druckvoll und sauber produziertes Kleinod für den Proghead, der Dream Theater, Opeth und Co. schon längst entmystifiziert hat. „Extol“ ist ein äußerst forderndes Album geworden, das am Ende belohnen wird. Definitiv empfehlenswert!

Anspieltipps:

  • Wastelands
  • Faltering Moves
  • Dawn Of Redemption
  • Extol
  • Unveiling The Obscure

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