Scorpion Child - Scorpion Child - Cover
Große Ansicht

Scorpion Child Scorpion Child


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Plagiat oder Tribut? Schöne Grüße an Led Zep!

Der Metal-Major Nuclear Blast hat anscheinend noch nicht genug vom Classic Rock und holt sich munter neue Bands ins Boot. Die Welle an Retro-Sounds ist noch lange nicht ausgereizt: jüngst schrammelten die Waldschrate um Kadavar wieder unter dem Banner der Donzdorfer. Jetzt legt man mit den texanischen Senkrechtstartern Scorpion Child nach und erweitert sein Portfolio mit einer geballten Ladung Led Zeppelin, Blue Cheer bis hin zu Uriah Heep oder Golden Earring. Nur eben erneut in moderner Form, für eine neue Generation und stellenweise bei aller Liebe doch arg konstruiert. Was die Skorpionsbalgen dem Hörer bieten wollen, wird also recht schnell klar. Die US-Amerikaner pflügen den Garten des klassischen Hardrock lustig um und bedienen sich an beinahe schon obligatorischen Einflüssen.

„Kennst du eine, kennst du alle“ - so einfach machen es Scorpion Child dann auch nicht, denn die fünf Knaben haben mächtig etwas auf dem Kasten. Das müssen sie auch, denn ihr Rundumschlag erfordert ein gewisses Können. Ihr selbstbetiteltes Debüt versprüht hauptsächlich den Charme und Spirit von Led Zep. Aryn Jonathan Black ahmt zum Beispiel ohne Frage Robert Plant nach und ist stellenweise erschreckend nah an dessen Gesang dran. Christopher Jay Cowart und Tom "The Mole" Frank zollen dagegen dem guten Jimmy auf ihren Äxten Tribut. Ganz ehrlich: das hat alles seine Daseinsberechtigung, ist handwerklich wirklich großartig, aber welches Argument haben Scorpion Child, das diverse Coverbands oder eben das Original nicht auch haben? Die erwähnten weiteren Einflüsse sind einzig und allein Makulatur und bekommen lediglich eine Alibi-Funktion. Kadavar, The Black Explosion oder Wolfmother haben allesamt einen eigenen Charakter, der sie nicht zu bloßen Plagiaten machte. Scorpion Child gehen den einfachen Weg. „Polygon Of Eyes“, „Liquor“ oder „Antioch“ sind groß angelegte Rocker mit unendlich viel Drive, staubig-heißer Atmosphäre und so, dass sie Fans von Rob, Jimmy und den beiden Johns mögen werden. Doch nochmal gefragt: Wo ist die Eigenständigkeit?

Das Schlusslicht „Red Blood (The River Flows)” ist mit seinem klimatischen, hymnenhaften Aufbau sogar ein richtiger Killer - jedenfalls bis die Komposition nach gut fünf Minuten vorbei ist und die restlichen sieben den Hörer mit Zirpen, Klapperschlangengeklapper und anderen Naturgeräuschen aus dem Album entlassen. Die paar Gesangsfetzen extra machen dann auch nichts mehr aus. Andere Bands haben solche Späße weitaus besser hingekriegt, hier ergibt es schlichtweg keinen wirklichen Sinn. Was zum Teufel soll das? Ihre Anhänger werden Scorpion Child dennoch sicherlich finden. Kein Wunder, immerhin ist Retro weiterhin hip wie nie zuvor. Ein wenig mehr Mut und der berühmte eigne Stempel täten den Jungs aber ganz gut, denn einfach mal altmodisch aus Notwendigkeit daher zu kommen, zieht irgendwann auch nicht mehr. Die Argumente, warum man sich gerade für die kleinen Skorpione entscheiden sollte, halten sich daher stark in Grenzen.

Anspieltipps:

  • Polygon Of Eyes
  • Liquor
  • Antioch
  • Red Blood (The River Flows)

Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
6/10

Temple Of Lies
  • 2018    
Diskutiere über „Scorpion Child“
comments powered by Disqus