Slugabed - Time Team - Cover
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Slugabed Time Team


  • Label: Ninja Tune/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Abgespaceter Elektro, den es leider zu oft in hohe Tonlagen treibt.

Slugabed heißt im Englischen so viel wie Faulpelz oder Langschläfer. Ob diese Bezeichnung nicht nur als Künstlername, sondern auch charakterlich auf Greg Feldwick zutrifft, ist nur schwer festzustellen. Dass er diesen Namen gewählt hat, wird zwar seine Gründe haben, trotzdem lässt sich angesichts der musikalischen Karriere des 23-Jährigen kaum von Faulheit sprechen. Die vergangenen drei Jahre hat Slugabed genutzt, um eine Reihe von EPs bei unterschiedlichen Labels zu veröffentlichen, unter anderem bei Elektro-Powerhouse Planet Mu. Im Mai 2012 erschien sein Debütalbum „Time Team“ beim nicht minder traditionsreichen Label Ninja Tune.

Wer „Time Team“ ein- oder auflegt, dem schlägt mit dem Opener „New Worlds“ bereits Slugabeds volles instrumentelles Spektrum entgegen: flächige Synthies, die nach Orgeln klingen, werden von spacigen Pieptönen, die aus einem Sci-Fi-Film der 60er-Jahre stammen könnten, durchsetzt. Dazu ein schneller Breakbeat und ein verzerrtes, zerstückeltes Vocal-Sample im Loop. Was für den Hörer erstmal sehr überladen klingt, fügt sich aber nach mehrfachem Hören zu einem vielschichtigen und harmonischen Klanggefüge zusammen. Aber eben doch nur „irgendwie harmonisch“ - denn gelegentlich bleibt etwas hängen, das unpassend erscheint. Obwohl er nicht dafür bekannt ist, eingängigen Sound zu produzieren, so ist dieses doch Album vergleichsweise schnell im Ohr. Das macht die Unterscheidung zwischen bewusstem Anecken mit „Unpassendem“ als Wink auf frühere Produktionen oder einfach schlechter Komposition leider schwierig.

Trotz generell zugänglicheren Tracks ist Slugabed seinem Sound aber treu geblieben und damit weiterhin irgendwo zwischen Glitch und Wonky einzuordnen. Noch immer überzeugen die vielschichtigen und komplexen Soundkompositionen. Dessen ungeachtet materialisiert sich auf voller Albumlänge ein Problem, das sich auf den kürzeren EPs nicht herauskristallisiert hat. Zwar machen die Songs im Einzelnen Spaß beim Zuhören, bei aller Liebe zu Synth-Trompeten und 60er-Jahre-Raumschiff-Piepen, ignoriert Slugabed leider, dass das ständige Geklimper in hohen Tonlagen vor allem beim Nebenbei-Hören spätestens nach der Hälfte des Albums anfängt zu nerven. So scheint es mit zunehmendem Hören auch, dass er sich für das Album einige Effekte, Synthies und Drumsamples ausgesucht hat, auf die er sich dann auch beschränkt, und sich Slugabed auf „Time Team“ nur selten („It's When The Future Falls Plop On Your Head“) außerhalb solcher selbst gesetzter Grenzen bewegt.

Alles in allem ist „Time Team“ aber ein gutes Album geworden, denn einen Mangel an Experimentierfreude kann man Slugabed trotz fehlender Abwechslung nicht vorwerfen. Gelungen ist auch die Gratwanderung zwischen eingängigem und komplexem Sound. Leider ist „Time Team“ trotz guter Übergänge von Track zu Track kein Album zum Durchhören, das machen die Tracks im Einzelnen aber wieder wett. Dennoch bleibt das Album hinter ähnlichen Werken von Genre-Kollegen zurück. Kennern wird spontan Rusties gefeiertes Debüt „Glass Swords“ von 2011 einfallen, hinter dem sich „Time Team“ zwar nicht verstecken muss, mit dem es sich aber auch nicht messen kann.

Anspieltipps:

  • Sex
  • Moonbeam Rider
  • Travel Sweets
  • Mountains Come Out Of The Sky
  • It's When The Future Falls Plop On Your Head

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