Deadlock - The Arsonist - Cover
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Deadlock The Arsonist


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Pop/Metal-Schere geht erneut ein Stückchen weiter auseinander.

Pantera verstanden bereits Anfang der 90er-Jahre große Melodien mit kompromissloser Härte zu verbinden, was ihnen mit „Far Beyond Driven“ (03/1994) die Pole Position in den amerikanischen Billboard Charts einbrachte. Deadlock aus Schwarzenfeld in Bayern sind davon zwar noch meilenweit entfernt, wenn man allerdings den Kurs der mittlerweile auf fünf Köpfe geschrumpften Kombo verfolgt (Sänger Johannes Prem stieg Oktober 2011 aus und nach einer kleinen Personalrochade ist nun Ex-Bassist John Gahlert für knackige, etwas hardcorelastige Grunzlaute zuständig und der ehemalige Tourmanager Ferdinand Rewicki wechselt vom Bass zur zweiten Gitarre, da Gitarrist Gert Rymen mit Februar dieses Jahres ebenfalls seinen Rücktritt bekannt gegeben hat), so dürfte die Truppe nach dem 61. Platz für „Bizarro World“ (02/2011) zumindest in Deutschland auf einem guten Weg sein und mit ihrem sechsten Werk „The Arsonist“ weitere Anhänger rekrutieren können.

Wer angesichts der aktuellen Personalstruktur Bedenken haben sollte, dass die neuen Kompositionen ohne Bass an Durchschlagskraft verlieren, der sollte sich einfach mal vom tiefer gestimmten Doppelaxtinferno des Openers „The great pretender“ die Ohren durchpusten lassen. Doch nicht nur in der Disziplin „Abrisskommando“ legt das Fünfergespann eine Punktlandung hin, auch der Popappeal wird durch Sabines Goldkehlchenexkurse, die im Falle der Eröffnungsnummer mit einer brillanten Hookline ausgestattet wurden, nach allen Regeln der Kunst gefüttert, was auf „The Arsonist“ zur Folge hat, dass die Pop/Metal-Schere noch weiter auseinander geht und ein wutschnaubender Track wie „Darkness divine“ mühelos zwischen grantigem Moshcore der Marke All Shall Perish und sanftmütigem Feengesang pendelt, ohne zerrissen oder krampfhaft zu wirken.

Deadlock versuchen mit „The Arsonist“ einfach gar nicht erst, ein bereits vorhandenes Rezept 40 Minuten lang anzuwenden, sondern werfen dem Hörer eine Abfolge von verschiedenen Emotionen und Metal-trifft-Pop-Passagen an den Kopf, die sie in eben jenem Moment im Track XY als besonders passend empfinden. Diese daraus resultierende, prall gefüllte Wundertüte beherbergt allerdings nicht immer den heiligen Gral des Songwritings und neben extrem hymnischen Passagen, wie sie z.B. im Titeltrack Verwendung finden, oder mit elektronischen Spielereien angereicherten Groove-Gustostückerln („Dead city sleepers“) stehen langweilige Beauty and the beast-Abhandlungen („I´m gone“, „As we come undone“), denen schlichtweg die Seele und der nötige Mut fehlen.

Alles andere als glanzlos gebärdet sich dafür die zweite Hälfte des sechsten Deadlock-Opus. Neben der wunderbar eingefangenen, düster-melancholischen Ballade „Hurt“, in der Sabine im Alleingang auftrumpfen kann und für eine eindringliche Atmosphäre sorgt, treiben die Schwarzenfelder mit einer knackigen Neufassung des Bronski Beat-Klassikers „Small town boy“ den Hymnengedanken des Originals auf ein metalinfiziertes Maximum, während „The final storm“ mit seinen epischen Streichersätzen nicht ganz so atemberaubend geworden ist, wie es der Fünfer wohl gerne gehabt hätte. Dafür schließt „The Arsonist“ durch „My pain“ stimmungsvoll mit einer etwas ungewohnten Nummer, die weniger Metal denn bombastischer Pop ist, jedoch gerade deswegen paradigmatisch für das fehlende Schubladendenken des Acts steht und als vorzüglicher Fan-Service angesehen werden kann. Für alle aufgeschlossenen Metalheads da draußen ist Deadlocks Sechste auf jeden Fall wieder ein ganz besonderer Leckerbissen!

Anspieltipps:

  • Hurt
  • The Arsonist
  • Darkness Divine
  • Dead City Sleepers

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