Travis - Where You Stand - Cover
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Travis Where You Stand


  • Label: Red Telephone Box
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Erhabene Popmusik für Erwachsene - auch ohne die Welthits früherer Zeiten.

Fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Ode To J. Smith“ (09/2008) melden sich die schottischen BritPop-Pioniere mit elf neuen Songs auf ihrem mittlerweile siebten Werk „Where You Stand“ auf der Bildfläche zurück. Dieses wird über das eigene Label Red Telephone Box auf den Markt gebracht, wurde von dem Schweden Michael Hilbert (u.a. The Wannadies, Tocotronic, The Rasmus, The Cardigans, The Hives) als Produzent betreut und in Studios in London, Giske (Norwegen), New York und Berlin aufgenommen.

Neben diesen Rahmenbedingungen hat sich im Lager von Travis auch nach einer sehr langen fünfjährigen Kreativpause nicht viel verändert. Hauptsongschreiber und Sänger Fran Healy hat wieder ein Bündel seiner traditionellen Kirmesmelodien im Verbund mit simplen, von Herzen kommenden Texten geschnürt und mit seinen Musikerkumpels das getan, was sie schon immer gemeinsam getan haben: eingängige, breitenwirksame Popsongs zu schreiben, die zwar alles andere als hip sind, aber dennoch ankommen.

Doch bei einer Band, bei der selbst vermeintlich schwache Alben noch herausragende Momente besitzen („The Boy With No Name“, 05/2007), zählen Coolness und der ganze andere Scheiß, der zur Popmusik dazugehört, nicht. Entweder funktionieren die Songs – oder sie tun es nicht. Und bei Travis funktionieren die Songs in der überwiegenden Anzahl, sodass die Schotten auch heuer wieder den einen oder anderen großen Keane- und Coldplay-Vergleich auf „Where You Stand“ in petto haben.

Dazu legen Travis los wie die Feuerwehr und präsentieren schon im Opener „Mother“ fein gezupfte Saiten auf der Akustikgitarre, ein süffiges Piano und West-Coast-artigen Chorgesang. Auch die folgenden Tracks „Moving“ und „Reminder“ entpuppen sich als potenzielle Hits, weil sie die typischen Fran-Healy-Harmonien früherer Travis-Hits benutzten. Und damit kann man als Songwriter nie etwas falsch machen.

Im Titeltrack drängen sich behände angeschlagene Pianoklänge in den Vordergrund, während „Warning sign“ einen lockeren, Bass-dominierten Groove mitbringt und dabei einen süßlichen Refrain zutage fördert, der alles andere als ein Warnsignal darstellt. In „A different room“ wird die E-Gitarre mal etwas lauter und Fran Healys Gesang driftet ein wenig in die dramatischen Regionen eines Bono (U2) ab, bevor „New shoes“ eine neue Seite von Travis zeigt, indem die Beats elektronisch pluckern und das Tempo stark runter geschraubt wird. „On my wall“ ist der scheppernde Oasis-Moment das Albums, wogegen „Another guy“ weder textlich noch musikalisch etwas Bewegendes bietet.

Am Ende wird der Hörer mit dem verträumt vor sich hin zuckelnden „Boxes“ und der obligatorischen Pianoballade „The big screen“ sowie mit der Gewissheit verabschiedet, dass es nach wie vor keine schlechten Travis-Alben gibt, auch wenn die Welthits nicht mehr so aus der Feder strömen wie noch vor zehn Jahren. Nichtsdestotrotz ist das, was die vier Herren aus Glasgow auf „Where You Stand“ zustande gebracht haben, immer noch sehr erhabene Popmusik für erwachsene Menschen.

Anspieltipps:

  • Mother
  • Moving
  • Reminder
  • New shoes

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