Nine Inch Nails - Hesitation Marks - Cover
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Nine Inch Nails Hesitation Marks


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Klingt wie ein weiterer Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross, soll aber ein neues Album von Nine Inch Nails sein.

Nach zwei erfolgreichen Soundtrack-Arbeiten zusammen mit dem britischen Komponisten und Produzenten Atticus Ross („The Social Network“, 2010 und „The Girl With The Dragon Tattoo“, 2012), hat Trent Reznor (48) seine Nine Inch Nails wiederbelebt und mit „Hasitation Marks“ den Nachfolger zum fünf Jahre alten Doppelschlag „Ghosts I-IV“ (03/2008) und „The Slip“ (07/2008) eingespielt. Willkommen zurück! Doch wer die Rückkehr der Neun-Zoll-Nägel mit düsterem Industrial-Rock-Donnergrollen à la „The Downward Spiral“ (1994) gleichgesetzt hat, sollte vor dem Genuss dieses Albums schleunigst umdenken.

„Hasitation Marks“ ist zwar traditionell düster, aber auch elektronischer und poppiger als alles, was Trent Reznor zuvor mit dieser Band auf die Beine gestellt hat. Zwei Dekaden nach „The Downward Spiral“, das neben seinen grandiosen Lärm- und Brüll-Kaskaden auch schon auf Elektro-Effekte und Dance-Beats setzte, ist der 48-Jährige tiefer denn je im großen Elektronikbaukasten angekommen. Das von Atticus Ross und Alan Moulder (Wolfmother, A Perfect Circle, U2, Marilyn Manson) produzierte Album greift zwar die typischen Nine-Inch-Nails-Synthesizersounds auf, lässt aber die geliebten Sollbruchstellen aus erdrückenden Gitarrenriffs, angsteinflößenden Brüllattacken und einer eiskalten Stimmung fast vollständig unter den Teppich fallen.

Durch das Ausbleiben dieser Eruption und das Fehlen von Bassist Eric Avery und Gitarrist Adrian Belew, köchelt „Hasitation Marks“ etwas über eine Stunde lang relativ unspektakulär in einer Suppe aus trippigen Beats und Klanglandschaften im Stile eines Ambient-Soundtracks für einen David-Lynch-Film vor sich hin, während der Hörer angestrengt auf Höhepunkte wartet. Leider meist vergeblich. So ist das poppige Beat-Geplucker zwischen Joy Division, Depeche Mode und New Order in „Copy of a“ oder auch „Find my way“ noch recht ansprechend und „Come back haunted“ baut einen interessanten Spannungsbogen auf, während „Disappointed“ bei Radiohead vorbeischaut und „All time low“ in ungewohnte Funk-Regionen vordringt.

Das ist ganz nett, aber umso weiter das Werk voranschreitet, desto vorhersehbarer und eindimensionaler wirken die Songs – vor allem im Vergleich zum eigenen Oeuvre. Dass die Soundtrack-Arbeiten Reznors auf eben diese neuen Songs abgefärbt haben, muss er deshalb in Interviews nicht mehr gesondert hervorheben. Man hört es auch so. Und deshalb hätte „Hasitation Marks“ wohl besser als ein weiterer Soundtrack und nicht als Nine-Inch-Nails-Album erscheinen sollen.

Anspieltipps:

  • Black noise
  • Find my way
  • Come back haunted
  • While I’m still here

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